Praktikum bei Kinderrechte Afrika e.V.

© M. Haid


Im Sommer 2011 zog es drei Studenten der Politikwissenschaften nach Lahr, um die Arbeit bei Kinderrechte Afrika e. V. kennen zu lernen. Während ihres Praktikums sammelten sie wertvolle Erfahrungen und wirkten etwa bei der Zusammenarbeit mit neuen Partnern, der Öffentlichkeitsarbeit oder der Antragsstellung, Evaluierung und Abrechnung von Projekten mit.

Im Interview erzählen Janine Hesse, 28 aus Frankfurt am Main, Luise Hoffmann, 22 aus Thüringen und Adama Ouedraogo, 31 aus Burkina Faso von ihren Motivationen und Eindrücken:

F: Auch in Frankfurt, Essen oder Berlin gibt es Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit, warum haben Sie für ein Praktikum Kinderrechte Afrika e. V. gewählt?

Luise Hoffmann: Im Internet sieht man sofort, wie sich der Verein mit seinen Partnern engagiert, um die Situation von Kindern, vor allem in Westafrika, nachhaltig zu verbessern. Es wird etwas bewegt – das ist ein sehr motivierender Gedanke. Ich beschäftige mich viel mit den Entwicklungen in Afrika, und auch die Kinderrechtsarbeit interessiert mich sehr, so dass ich beschloss, mich zu bewerben.

Adama Ouedraogo: In meinen Vorlesungen habe ich viel über die internationale und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit gelernt und wollte diese Kenntnisse vertiefen. Kinderrechte Afrika e. V. will die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Afrika verbessern. Ich finde diesen Ansatz sehr wichtig für die Zukunft Afrikas, denn wenn Kinder begreifen, dass sie Rechte haben, werden sie sich als Erwachsene für die Politik interessieren und damit ihren Beitrag zur Entwicklung ihrer Länder leisten: Jeder weiß, Kinder sind die Zukunft.

Janine Hesse: Ich wollte praktische Erfahrungen bei einer Kinderrechtsorganisation sammeln, die international arbeitet, da ich mich bereits kommunal für Kinderrechte engagiere. Die Homepage von Kinderrechte Afrika e. V. hat mich angesprochen, da die beschriebene Projektarbeit auf einer holistischen, also ganzheitlichen Arbeitsweise basiert. Auch hab ich gesehen, dass Kinderrechte Afrika e. V. ein Projekt in Mali hat. Da ich im Juli 2012 selbst für ein Forschungsprojekt nach Mali reise, war es noch ein Argument mehr, mich hier zu bewerben.

F: Mit welchen Erwartungen haben Sie sich beworben?

Janine Hesse: Mich hat die konkrete Arbeit einer Kinderrechtsorganisation interessiert. Also habe ich mir eine kleinere Nichtregierungsorganisation ausgesucht, die es möglich macht, in alle Arbeitsbereiche Einblicke zu bekommen.

Luise Hoffmann: Genau das hat mich auch bewegt, hierher zu kommen. Nach einem sehr theoretisch ausgelegten Studium wollte ich vor allem lernen, wie man Probleme in Afrika angehen kann, statt sie nur aufzuzeigen und zu analysieren, wie an der Uni. Wer Tatsachen untersucht und kritisiert, nicht aber nach Lösungen sucht, dem fehlt doch ein wichtiger Teil in seinen Untersuchungen!

Adama Ouedraogo: Auch meine Erwartungen waren es, einen Einblick in die Arbeitsweise dieser internationalen Organisation für Kinderrechte zu haben sowie konkrete Ideen und praktische Aktivitäten im Bereich der Entwicklungshilfe kennen zu lernen.

F: Welche Erfahrungen haben Sie als Praktikant bei Kinderrechte Afrika e. V. gemacht?

Adama Ouedraogo: Es war mir ein Traum, die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit kennenzulernen. Nun habe ich tatsächlich etwas Neues und Praktisches gelernt. Die Betreuung ist sehr gut, das ganze Team hat Zeit für mich, alle sind offen und freundlich. Im permanenten Austausch mit meinen Kolleginnen Luise Hoffmann und Janine Hesse war die Atmosphäre toll. Ich habe mich nicht allein gefühlt. Das Schönste ist, dass ich französisch häufig reden kann, da das ganze Team die Sprache beherrscht. Das hätte ich nie hier in Deutschland gedacht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Theorie und Praxis zusammen gehen müssen, wenn man Kompetenzen und Erfahrungen sammeln will. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Praktikum bei Kinderrechte Afrika e. V.

Janine Hesse: Besonders positiv finde ich die direkte Betreuung durch den Generalsekretär Horst Buchmann. Nicht nur, dass er uns Praktikanten ins Tagesgeschäft integriert, er unterrichtet uns auch über den größeren Zusammenhang jeder auszuführenden Tätigkeit, was ich besonders bereichernd finde. Lustig ist es auch, von seinen Afrika-Erfahrungen zu hören. So erzählte er uns, wie die Afrikaner auf Reisen immer ihr Bügeleisen mitnehmen und daher immer top gepflegt aussehen, nicht wie der auf Reisen meist verknitterte Europäer.

Luise Hoffmann: Klar, solche Anekdoten öffnen uns die Augen für kulturelle Unterschiede und die Besonderheiten in der Zusammenarbeit mit Afrikanern. Ich habe dabei gelernt, dass eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ in der EZ möglich ist und wie sie funktionieren kann. Es gefällt mir außerdem, dass ich eine ganze Reihe verschiedener Aufgaben bekomme, die dann auch tatsächlich dem Verein nützen. Sie sind anspruchsvoll und abwechslungsreich und werden durch theoretische Einheiten ergänzt. Es gibt immer auch Aufgaben, die im Team bearbeitet werden müssen, wobei wir von den Erfahrungen der Mitarbeiter und den Ansichten der anderen profitieren.

F: Was möchten Sie später beruflich machen?

Janine Hesse: Ich möchte gerne bei der EU, UN oder dem Auswärtigen Amt im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten. Dafür studiere ich Ethnologie, Politikwissenschaften und Afrikanische Sprachwissenschaften in Frankfurt am Main.

Adama Ouedraogo: Nach dem Studium in Essen möchte ich bei den Entwicklungsprojekten tätig werden oder im diplomatischen Dienst bei einer burkinischen Botschaft. Überwiegend für mich wären die Tätigkeiten bei den Entwicklungsprojekten, denn wir alle haben die moralische Pflicht, unseren Mitmenschen, die sich selbst nicht helfen können, zu helfen. Wir können und müssen die Welt verändern! Auch die Lebensbedingungen der anderen haben Einfluss auf unser Leben. Hilfe zur Selbsthilfe ist auch ein Kampf um eine friedliche Welt, eine Welt, in der wir friedlich miteinander leben können. Den Kontakt zu Kinderechte Afrika e. V. werde ich gerne erhalten. Als Afrikaner bin ich dankbar, dass sich Leute für die Zukunft des „schwarzen Kontinents“ einsetzen.

Luise Hoffmann: Ich würde gerne in einer internationalen Organisation arbeiten und werde auch da den Bezug zum afrikanischen Kontinent und der Entwicklungszusammenarbeit suchen. Vielleicht in Berlin, wo ich studiere, vielleicht woanders. Auch im Ausland zu arbeiten wäre denkbar.

© M. Haid

Von rechts nach links: Adama Ouedraogo, Luise Hoffmann, Horst Buchmann (General Sekretaer) und Janine Hesse

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