D. R. Kongo: Sexueller Missbrauch von Mädchen, ein Skandal, der von Polizei und Justiz zu wenig ernst genommen wird
Traditionell haben Mädchen und Frauen in Afrika nicht den gleichen Stellenwert und nicht die gleichen Rechte wie Jungen und Männer. In einem Umfeld von Armut und täglichem Überlebenskampf verbessert sich diese Situation nur sehr langsam. Es sind immer zuerst die Mädchen, die keinen Zugang zu Schulbildung bekommen. Die finanzielle Situation vieler Eltern macht die Ausgaben für Schuluniform, -material und -gebühren schwierig, oft unmöglich.
Sexueller Missbrauch und Gewalt – alarmierend in Form und Ausmaß. Bisher waren diese Formen von Gewalt gegen Frauen vor allem auf den Osten des Landes konzentriert. Inzwischen stellt man zunehmend Fälle von sexueller Gewalt auch in anderen Provinzen fest. In den beiden Kasaï-Provinzen und in Kinshasa werden Hunderte von Mädchen und Frauen missbraucht: dieses Problem nimmt alarmierende Formen an. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen: Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wurde als Kampfstrategie von den verschiedenen bewaffneten Milizen und der regulären Armee eingesetzt. Nach Beendigung der Kämpfe führten einige Militärs diese üble Praxis fort. Außerdem fördern Irrglaube und Magie, z.B. bei Diamantensuchern, die Vorstellung, dass die Vergewaltigung eines unberührten Mädchens Glück oder Macht bringen würde. Das Gleiche gilt für die Heilung von AIDS. So werden selbst Säuglinge sexuell missbraucht. Die Sexualstraftäter, wenn sie denn juristisch belangt werden, erlangen schnell wieder ihre Freiheit. Einige unter ihnen fühlen sich noch stärker als vorher und verhöhnen die Familien ihrer Opfer.
Kampagne gegen diese Verbrechen – Hilfe für die Opfer. 2008 wurden im Kinderschutzzentrum von unserem Partner Bice-D. R. Kongo in Kananga 272 Opfer sexueller Gewalt aufgenommen: psychosoziale Betreuung, medizinische Hilfen und Rechtsbeistand halfen den Mädchen, das Trauma zu verarbeiten. Das Alter der Opfer lag zwischen 3 und 17 Jahren. Aufgrund unserer intensiven Arbeit zu diesem Thema und der hohen Zahl von Opfern, die vor Gericht von Bice-Kongo begleitet wurden, hat sich eine Richterin dieser Fälle besonders angenommen. Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin von unserem afrikanischem Partner, die sich um die traumatisierten Mädchen kümmert, setzt sie sich engagiert für die Belange der Mädchen ein und kämpft gegen die Verharmlosung des Delikts und die Straffreiheit der Täter.
Armut – ein Faktor, der zahlreiche Übel noch verschlimmert – eines von ihnen: die sexuelle Ausbeutung. Sie hat oft ihren Ursprung in den Problemen innerhalb der Familie und ihrer Verarmung. Aufgrund der Armutssituation in der D. R. Kongo sehen sich viele Mädchen dazu gezwungen, sich zu prostituieren. Sie verlangen zwischen 1000 und 5000 Kongolesische Francs (zwischen EUR 1,5 und 6) für ihre Dienstleistung. Für ein höheres Entgelt akzeptieren diese Mädchen sehr häufig sogar ungeschützten Geschlechtskontakt. Obwohl die entsprechenden Gesetze in Kraft sind, kennen sie nur wenige Kongolesen, und die zuständigen staatlichen Institutionen (Polizei und Justiz) wenden sie selten an.
Die Zwangsehe /Frühehe – eine Tradition, die von vielen Familien auch heute noch praktiziert wird. Bisher gibt es in der D. R. Kongo zivilrechtlich keine Verpflichtung für die Einhaltung eines Mindestalters bei der Einwilligung zur Eheschließung. Strafrechtlich sieht das neue Gesetz von 2006 zur sexuellen Gewalt ein Mindestalter für die Verehelichung von Mädchen von 18 Jahren vor. In den ländlichen Regionen sind trotzdem weiterhin Frühehen von Mädchen unter 18 Jahren sehr häufig. Die zu erwartende Mitgift ist hier der ausschlaggebende Faktor. Gegen diesen Skandal mussten unsere Teams mit Nachdruck Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei Polizisten, Staatsanwälten und Richtern leisten sowie Weiterbildungen durchführen, damit geltende Rechtsvorschriften und -normen in den drei Provinzen eingehalten werden.Viele Radiosendungen wurden lanciert und vor allem Opfern sexueller Gewalt psychosoziale Betreuung, medizinische Hilfen und Rechtsbeistand gewährt. Die Mitarbeitervon Bice-Kongo kämpfen mutig, ausdauernd und mit allen Rechtsmitteln gegen diese Verbrechen und für ein größeres Engagement des kongolesischen Staates in diesem Bereich.
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