Die Geschichte von Djenebou, Opfer von Kinderhande
Djenebou erlebt zunächst die ganz normale Kindheit eines Mädchens im ländlichen Mali. Im Alter von 8 Jahren stirbt der Vater. Es wird viel schwieriger für die Familie, der Haupternährer fehlt.
Der Zufall will es, dass ein entfernter Verwandter des Vaters – ein „Onkel“ –, der in der Elfenbeinküste lebt, bei einem Besuch in seiner alten Heimat der Mutter anbietet, das Mädchen mit in die Elfenbeinküste zu nehmen. Noch immer gilt die Elfenbeinküste trotz des Bürgerkrieges und der anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Krise vielen als reiches, gelobtes Land. Die Mutter willigt ein. Djenebou soll es besser haben. Aufwachsen dort, wo es genügend Wasser gibt, wo die Natur alles im Überfluss bietet, wo das Mädchen mit der Unterstützung des Onkels in die Schule gehen kann.
Djenebou reist mit dem Onkel nach Bonoua, der üppigen Ananasregion der Elfenbeinküste im Südosten des Landes.
Doch schon bald muss sie erkennen, dass alles anders ist als die Versprechungen, dass ihr Leben für sie nur harte Schinderei, ja Sklaverei wird. Sie wird trotz ihrer erst acht Jahre zu harter Arbeit im Haushalt herangezogen. Sie ist die erste, die morgens aufstehen muss, fegen, spülen, Essen bereiten, enorme Mengen von Maniok klein schneiden, Abfälle wegbringen und dann Holz für das Kochen der Mahlzeiten im Busch sammeln. Sie ist die letzte, die sich schlafen legt. Tagaus, tagein, ohne Ruhetag. Ohne zur Schule gehen zu können wie viele ihrer Altersgenossinnen, die morgens am Haus ihres Onkels vorbeiziehen und denen sie traurig nachschaut. Sie muss sich so sehr anstrengen, denn wenn sie ihr tägliches Pensum nicht schafft, bekommt sie wenig oder gar nichts zu essen. Und ohne sich richtig satt essen zu können, hat sie auch nicht die Kraft, die harte körperliche Arbeit zu bewältigen.
Sie leidet so sehr darunter, dass ihre Tante immer wieder unzufrieden mit ihr ist, sie immer ausschimpft, anbrüllt und dann misshandelt.
Die Schläge werden immer regelmäßiger, immer brutaler. Bis eines Tages Djenebou nicht mehr kann und nicht mehr will. Das Mädchen weigert sich, die Berge von Maniok zu verarbeiten. Die Folge: die Tante setzt die Achtjährige kurzerhand auf der Straße.
Der Leidensweg des Mädchens geht weiter. Im täglichen Überlebenskampf sucht Djenebou Hilfe bei Kleinhändlern aus Mauretanien, den Allesverkäufern für den täglichen Lebensbedarf. Sie haben Mitleid mit der kleinen Ausländerin und geben ihr zu essen. Es ist ein hartes Leben auf der Straße. Sich täglich eine neue Schlafstelle zu suchen. Angst zu haben vor den älteren Jungen und Männern, die sich an sie heranmachen wollen.
Djenebou hat aber Glück. Sie wird nach drei Wochen auf der Straße von einem der lokalen Wachsamkeitskomitees zur Eindämmung des Kinderhandels am Heiligabend 2007 aufgespürt und wenig später der Kinderschutzbehörde der Polizei der Hauptstadt Abidjan überstellt. Von dort wird Djenebou dem Kinderschutzzentrum Sauvetage von Bice- Elfenbeinküste* anvertraut.
In der Sauvetage erfährt das Mädchen, das schwere Züge seelischer Verletzungen aufweist, Obdach, Zuwendung und psychologische Betreuung sowie medizinische Hilfe, denn die Wunden der schweren Misshandlungen sind auch nach Wochen noch nicht vernarbt (siehe Abbildung).
Hier kann sich Djenebou satt essen, ohne Sklavendienste verrichten zu müssen. Hier kann sie mit Gleichaltrigen spielen, gemeinsam lernen und sich ausruhen. Hier braucht sie keine Angst mehr zu haben, sie lebt auf als Kind in einem fremden Land.
Die Sozialarbeiter von Bice - Elfenbeinküste haben mittlerweile die Mutter von Djenebou ausfindig gemacht und dem Mädchen die Rückkehr in sein Zuhause ermöglicht.
* Bice - Elfenbeinküste ist der Partner von Kinderrechte Afrika e.V.

