Hexenkinder

D. R. Kongo

Ausgangssituation


Sogenannte Hexenkinder: D. R. Kongo

Als Hexe verdächtigt zu werden, ist für viele tausende Kinder der Beginn eines langen Leidensweges: als erstes die brutale Geisteraustreibung wie von vielen Sekten praktiziert, dann die Misshandlungen in den Familien und zuletzt die Straße - Einbahnstraße ins Elend - ohne Perspektive für die Zukunft.

Ort der ersten Begegnung von Kinderrechte Afrika e.V. mit sogenannten „Hexenkindern“ im Kongo ist nicht selten eine Polizeistation, wo diese Kinder wegen Vagabundierens vorübergehend in stickigen, dunklen Haftzellen landen. Diese von ihren Familien verstoßenen Kinder haben oft traumatische Exorzismusriten in sogenannten „Erleuchterkirchen“ hinter sich. Sie wurden der Hexerei beschuldigt, wenn Tod oder Unglück die Familie heimsuchte. Der Glaube an Geister und Riten ist in der kongolesischen Tradition tief verankert und flammt in Krisenzeiten und wirtschaftlicher Not wieder auf.

Nachforschungen haben ergeben, dass die Mehrheit dieser Kinder Voll- oder Halbwaisen sind, oder dass die Kinder aufgrund von Veränderungen der Familie zu unerwünschten Stiefkindern wurden.

Projektziele

Was wir erreicht haben

Bildergalerie

Kinderschicksale

Hortense erzählt
»Ich bin in Kinshasa geboren, aber ich weiß nicht, wie alt ich bin. Ich bin die jüngste
von drei Geschwistern und habe die Schule abbrechen müssen, weil meine Eltern das Geld hierfür nicht mehr aufbringen konnten. Meine Eltern sorgten gut für uns, wir hatten immer etwas zu essen. Kurz nach Ausbruch des Krieges wurde mein Vater krank. Da wir zu wenig Geld hatten, um ihn medizinisch versorgen zu können, starb er bald darauf.
Ich bin bei meiner Mutter und bei meiner Tante geblieben. Die Sorgen und der tägliche Kampf ums Überleben waren zuviel für meine Mutter. Sie starb und ließ uns Kinder verwaist zurück.
Ab diesem Zeitpunkt begann mein Leidensweg. Meine Tante mietete ein Haus und ließ mich bei sich und ihren drei Kindern wohnen. Eines Nachts träumte meine Tante davon, dass ich eine Gefahr für sie sei. Sie erzählte diesen Traum einem Prediger der Erleuchterkirche. Er bestätigte ihr, dass ich eine Hexe sei. Von nun an wurde ich zu Unrecht verdächtigt und misshandelt. Manchmal gab man mir nichts zu essen. Ich habe mich immer gegen die Verdächtigungen und Demütigungen gewehrt, aber es nützte nichts.
Eines Tages setzte mich meine Tante vor die Tür. Ich stand plötzlich mutterseelenallein auf der Straße – eine völlig neue Situation für mich. Ich verbringe mit anderen Mädchen die Nächte in einer Bauruine. Die jungen Männer in unserem Viertel sind gewalttätig: sie beleidigen und missbrauchen uns und stehlen unsere wenigen Habseligkeiten. Um zu überleben, arbeite ich von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends und verkaufe für eine Bekannte meiner großen Schwester Maisbrei. Die Arbeit ist sehr hart, aber ich verdiene wenigstens soviel, dass ich mir etwas zu essen kaufen kann.«

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