Globalprojekt - D. R. Kongo
Stärkung der Kompetenz und Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, staatlichen Einrichtungen und den Medien zur Förderung eines Kinderrechte schützenden Umfeldes.
Information über den abgeschlossenen Projekt "Kindersoldaten"
Beschreibung
Unser Engagement in:
Kinshasa und den beiden Kasaï-Provinzen
Unser Engagement für:
- 12 000 bedürftige und gefährdete Kinder und Jugendliche – Opfer militärischer Auseinandersetzungen, von Gewalt und Missbrauch
- 1 700 ehemalige Kindersoldaten, 98 erneut durch bewaffnete Gruppen zwangsrekrutierte Kinder
Unsere Partner:
- Bice-D.R. Kongo
- Staatliche Einrichtungen und deren Mitarbeiter (850)
- Mitglieder der lokalen Kinderschutzkomitees und andere Einrichtungen der Zivilgesellschaft (950)
- Religionsgemeinschaften, soziale Gemeinschaften, Familien (50 000)
- Medien (45 Journalisten)
- Die Kinder selbst als Multiplikatoren (600).
Finanzierung:
Gesamtsumme des Projekts: EURO 2.678.000
Finanzpartner: Belgisches Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit, Cordaid, Weltgebetstag der Frauen
Projektphase:
36 Monate, Beginn 01.01.2009
Ziele unseres Engagements
Schaffung eines Menschen- und insbesondere Kinderrechte schützenden Umfeldes in der D.R. Kongo. Unterstützung bei der nachhaltigen Entwicklung hin zu einem Rechtsstaat, zur Friedenskonsolidierung und zu einer demokratisch ausgerichteten politischen Führung.
- Auf politischer Ebene: Politiker, Verwaltungsbeamte, Polizeibeamte, Richter und Staatsanwälte respektieren und verwenden bei ihrer täglichen Arbeit zunehmend internationale und nationale Rechtsnormen und Gesetzestexte zum Schutz von Kindern, insbesondere die auch vom kongolesischen Staat bereits ratifizierte Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen und das Kinderschutzgesetz, das erst kürzlich vom Präsidenten der Republik Kongo verabschiedet wurde.
- Auf der Ebene der Zivilgesellschaft: verschiedene Gruppierungen, Laien oder religiöse Gemeinschaften sowie die soziale Gemeinschaft fühlen sich verantwortlich für die Zukunft ihrer Kinder und engagieren sich in Form von regelmäßigen Kampagnen zum Schutz und zur Förderung elementarer Kinderrechte. Insbesondere Familien werden sich zunehmend ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern bewusst, schützen und fördern sie.
- Auf der Ebene der Medien: Aufgrund regelmäßig übertragener Sendungen erfolgt eine zunehmende Sensibilisierung der Zivilgesellschaft zur Schaffung eines Kinderrechte schützenden Umfeldes und zur Demokratisierung.
- Im Herkunftsmilieu der Kinder: Kinder haben Rechte. Zu ihrem Schutz werden wirksame Maßnahmen und Aktionen gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch gegenüber Kindern durchgeführt. Medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung erhalten Kinder, die Opfer von bewaffneten Konflikten, Missbrauch und Gewalt geworden sind.
Wesentliche Aktivitäten
- Plädoyer, Sensibilisierung und Weiterbildung von Politikern, Staatsbeamten, Gemeindevertretern; Verbreitung und Zurverfügungstellung von internationalen und nationalen Rechtsnormen zum Schutz von Kinderrechten; fachliche Unterstützung zur Anwendung dieser Normen bei der täglichen Arbeit, Unterstützung der staatlichen Stellen bei der Verbreitung dieser Normen, sie zu respektieren und in der Praxis zu verwenden.
- Stärkung, Redynamisierung und Unterstützung der Zivilgesellschaft und der sozialen Gemeinschaft zur Förderung eines Kinderrechte schützenden Umfelds. Sensibilisierung, Schulung und Unterstützung von Familien, damit sie sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern bewusst werden, die Rechte ihrer Kinder respektieren und schützen. Stärkung der Kompetenz und der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und der Zivilgesellschaft.
- Sensibilisierung und Stärkung der Kompetenz von Journalisten im Hinblick auf den Schutz von Kinderrechten; Einrichtung von Netzwerken und Allianzen der Medien als Multiplikatoren zur Förderung von Kinderrechten und des Demokratisierungsprozesses.
- Nachhaltiger Schutz gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch gegenüber Kindern. Medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung für Opfer von Gewalt und Missbrauch. Förderung und Einbeziehung der Kinder in Aktionen und Maßnahmen.
Strategien, Methoden
- Plädoyer, Sensibilisierung
- Schulungen, fachliche Unterstützung
- Aktive Einbeziehung der Kinder
- Einbeziehung der sozialen Gemeinschaft
- Resilienz.
Photos
Kinderschicksale
Juliens Geschichte:
Julien ist 16 Jahre alt. Er wurde in Kinshasa (D.R. Kongo) geboren und ist das zweite von sieben Kindern. Seit frühester Kindheit kränklich, verschlangen seine Medikamente und Behandlungen die wenigen finanziellen Mittel seiner Eltern. Er blieb kleinwüchsig. Seine Eltern waren sehr beunruhigt. Julien konnte sich aber im Vergleich mit seinen Geschwistern besser ausdrücken und hatte eine raschere Auffassungsgabe. Nach und nach sah sein soziales Umfeld in ihm ein sogenanntes „Hexenkind“.
Der Vater brachte Julien zu einer Erweckungskirchengemeinde, um ihm die angeblichen bösen Geister austreiben zu lassen. Die harten Exorzismusrituale verschlimmerten den Gesundheitszustand von Julien. Der Pastor hat den Jungen dann einfach auf einem Marktplatz ausgesetzt. Er kämpfte mit anderen Kindern auf der Straße ums Überleben bis ihn eine Frau voller Mitleid entdeckte und mit auf die Polizeistation nahm.
Er wurde von dort ins Bice Kinderschutzzentrum überstellt. Die psychosoziale Betreuung, medizinische Versorgung und regelmäßige Ernährung förderten seine körperliche und geistige Entwicklung und seine Wiedereingliederung in die Gruppe. Trotz seines Kleinwuchses nahm er mit Freude an den angebotenen Freizeitaktivitäten teil. Er konnte bisher nicht zur Schule gehen. Sein Interesse und Wissensdurst war groß, und er machte große Fortschritte beim Lernen. Den Bice Sozialarbeitern ist es gelungen, Vorurteile und Ängste gegen Julien abzubauen und ihn wieder in seine Familie zu integrieren.
Alain, 12 Jahre alt, im Gefängnis:
„Mein Vater ist gestorben. Ich bin der Älteste. Ich habe noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Nach dem Tod meines Vaters haben meine Großeltern und meine Onkel meine Mutter aus dem Haus gejagt. Wir sind zu unserem anderen Großvater, der als Bauer arbeitet, ins Dorf gegangen. Das Leben war sehr hart. Wir wurden blass und krank. Unsere Onkel vom Land wollten uns Kinder auch nicht und haben uns weggejagt. Meine Mutter konnte nichts für uns tun und weinte bloß.
Da wir nicht wussten, wo wir hin sollten, blieben wir auf dem Markt und haben gebettelt. Manchmal haben wir schwere Lasten getragen, um ein bisschen Geld zu verdienen. In der Nacht schliefen wir in Kirchen oder in öffentlichen Anlagen.Eines Tages verlor ein Mann auf dem Markt sein Geld. Für ihn war es klar, dass mein Bruder und ich das Geld gestohlen hatten; er ließ uns verhaften. Die Polizei brachte uns aufs Kommissariat und anschließend ins Gefängnis. Ich wünsche mir die Freiheit und dass man mich zu meinem Großvater lässt.“
