Junge Haushaltshilfen - Elbenbeinküste
Projekt zur Unterstützung der Grundrechte junger Haushaltshilfen in Abidjan.
Beschreibung
Land: Elfenbeinküste
Stadt: Abidjan
Finanzgeber / Partner: Weltgebetstag der Frauen (1. und 2. Phase), Kindermissionswerk Aachen
Zeitraum:
1. Phase: Juli 2006 – Juni 2009
2. Phase: Juli 2009 – Juni 2012
Ausgangssituation - Kontext
Die politische Krise, die bereits seit September 2002 das Leben in der Elfenbeinküste nachteilig beeinträchtig, hat besondere Auswirkungen auf Kinder, vor allem wegen der zunehmende Verarmung der Haushalte. Kinder werden zunehmend zu reichen Verwandten (vornehmlich in die Städte) geschickt im guten Glauben, dass sie dort bessere Bedingungen haben und in die Schule gehen können. Leider ist die Wirklichkeit oft anders.
Der Tradition in der Elfenbeinküste entsprechend und ganz besonders in den großen Städten wie Abidjan, gibt es in so gut wie jedem Haushalt eine Hausangestellte. Vornehmlich wird diese Arbeit von jungen Mädchen ausgeführt, die zum größten Teil aus den ländlichen Gebieten kommen. Sie suchen eine Arbeit, die ihnen das Überleben erlaubt und ggf. auch noch genug abwirft, um die Hochzeitsausstattung zu bekommen oder auch die Schulausbildung fortführen zu können. Aber in der aktuellen sozial-politischen Lage, die von zunehmender Armut geprägt ist, sind mehr und mehr Verstöße und Missbrauch zu verzeichnen. Der große Ansturm von Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt von Abidjan hat die Bedingungen der Haushaltsmädchen extrem verschlechtert. Es gibt ein Überangebot an Arbeitssuchenden, die zu jeglichen Bedingungen eine Arbeitsstelle akzeptieren.
Die bereits vor einigen Jahren erreichten Fortschritte zur Verbesserung der Rechte von Haushaltsmädchen wurden dadurch wieder zunichte gemacht (z.B. Festlegung eines Mindestlohns, Respektierung von Arbeits- und Urlaubszeiten, Freizeit und Freiräume, Auszahlung der finanziellen Ansprüche bei Vertragsende, etc.). Die tausende von jungen Frauen und Mädchen, die in den Haushalten Abidjans arbeiten und dort unerlässliche Haushaltsarbeiten für die Familien durchführen, müssen ganz eindeutig zur Gruppe der arbeitenden Kinder gezählt werden.
Der gesetzliche und rechtliche Rahmen für arbeitende Kinder in der Elfenbeinküste :
Die Elfenbeinküste hat die Konventionen 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO), die internationale Kinderrechtskonvention so wie die afrikanische Charta für die Rechte und das Wohl des Kindes anerkannt und in seinem Arbeitsrecht die Rechte von arbeitenden Kindern berücksichtigt, in dem sie die allgemeinen Bedingungen unter denen Kinder angestellt werden können berücksichtigt hat.
Die Gesetzgebung der Elfenbeinküste legt darin das Minimalalter mit dem Kinder angestellt werden können auf 14 Jahre fest, was der Konvention 138 der ILO entspricht. Dieses Alter kann heruntergesetzt werden auf 12 Jahre für ‚leichte Arbeiten‘ und heraufgesetzt werden für Arbeiten, die als gefährlich eingestuft werden (auf 18 Jahre). Die Arbeit von Kindern unter 12 Jahren muss der Arbeitsaufsichtsbehörde zur Genehmigung vorgelegt werden.
Das Arbeitsrecht der Elfenbeinküste von 1995 regelt die Kinderarbeit folgendermaßen:Verbot von Nachtarbeit für Kinder vor dem 18. LebensjahrVerbot aller Arten von ZwangsarbeitRegelung der Arbeitszeiten bzw. Erholungsphasen von arbeitenden Kindern (Artikel 22.3: über die Dauer der Erholungsphase für Arbeiter unter 18 Jahren, die eine Mindestdauer von 12 h festschreibt)Definition der Arbeitsbedingungen von Kindern während einer beruflichen Ausbildung.
Ziele unseres Engagements
- Allgemeines Projektziel: Unterstützung der Umsetzung der Grundsatzrechte von jungen Haushaltshilfen in Abidjan
- Unterziel 1: Der Staat ist über die Problematik der jungen Haushaltsmädchen informiert und engagiert sich für den Respekt und die Einhaltung der Grundrechte der Mädchen.
- Unterziel 2: Die Akteure und Organisationen der Zivilgesellschaft beteiligen sich aktiv an der Mobilisierung für die Einhaltung und den Respekt der Rechte von Haushaltsmädchen und verteidigen und fördern diese.
- Unterziel 3: Die Haushaltsmädchen zeigen selber auch Eigeninitiative, um ihre Rechte zu verteidigen und um so auch besser geschützt zu sein.
- Unterziel 4: Die Haushaltshilfen bekommen konkrete Unterstützung durch das Projekt.
- Unterziel 5: Die Bewusstseinsbildung für die Problematik der Haushaltsmädchen hat sich bei der Bevölkerung erhöht.
Wesentliche Aktivitäten
- Plaidoyer / Lobbyarbeit für die Rechte der jungen Haushaltsmädchen bei den staatlichen Stellen.
- Fortbildung von Beamten für den Kampf gegen die Ausnutzung von Haushaltsmädchen.
- Förderung des Austauschs zwischen Staat und Zivilgesellschaft.
- Erarbeitung und Verbreitung von ‚guten Praktiken‘ so wie juristischen Dokumenten.
- Aus- und Fortbildung verschiedener Akteure der Zivilgesellschaft zum Thema Rechte der Haushaltsmädchen.
- Unterstützung von gemeinsamen Aktionen zivilgesellschaftlicher Organisationen.
- Gründung eines geschützten Umfelds, in dem sich die Haushaltsmädchen selber äußern.
- Breite Bewusstseinsbildung und Fortbildung zur Rechten und Pflichten von Haushaltsmädchen.
- Entwicklung und Stärkung der Kompetenzen von Haushaltshilfen (in spezifischen Schulen für Mädchen).
- Unterstützung zur Bildung einer offiziellen Vereinigung der Haushaltshilfen.
- Absicherung einer psycho-sozialen holistischen und juristischen Begleitung der Haushaltsmädchen, die in Schwierigkeiten geraten sind.
- Sichern einer medizinischen Versorgung der Haushaltsmädchen die misshandelt wurden.
- Förderung der familiären Wiedereingliederung von Haushaltsmädchen (vor allem sehr junger Mädchen).
- Unterstützung für Mädchen, die aus dem Metier aussteigen wollen und sich wieder in ihr heimatliches Umfeld mit einem neuen Beruf eingliedern wollen.
- Durchführung von Radio- und Fernsehsendungen zum Thema.
- Mobilisierung der Bevölkerung bei Konferenzen und sonstigen Feiern (z.B. durch Filme etc.).
- Plaidoyer und Beteiligung am Tag des Kindes, des arbeitenden Kindes oder der Frauen.
Ergebnisse 2007-2009
- 38 Haushaltsmädchen, die Misshandlungen ausgesetzt waren, wurden begleitet und betreut (medizinisch, psychologisch und juristisch).
- Über 6.500 Haushaltsmädchen informiert und beraten in 53 Arbeitsvermittlungsagenturen.
- Über 1.400 Haushaltsmädchen zu juristischen Themen (Rechte und Pflichten eines Haushaltsmädchen, arbeitsrechtliche Grundlagen) und zu verschiedenen Themen aus dem Gesundheitsbereich (Beschneidung u.ä) geschult.
- Unterstützung dieser Ausbildungsstätten mit Arbeitsmaterial.
- 283 Haushaltsmädchen in den Anlaufstellen des Projektes beraten und informiert (in 6 Stadtvierteln Abidjans).
- Kontakt zu 440 jungen Mädchen unter 15 Jahre durch Individualkontakte, bei denen die Eltern zunächst zustimmen mussten, dass sie in die Anlaufstellen kommen dürfen. Diese Mädchen haben alle eine psycho-soziale Betreuung erhalten.
- 596 Personen (Arbeitgeber und Einzelpersonen) wurden angesprochen und mit ihnen über die Problematik der Haushaltsmädchen diskutiert.
- 55 Haushaltsmädchen wurden unterstützt, damit sie bei Vertragsauflösung die ihnen zustehenden Gelder ausbezahlt bekommen.
- 38 Haushaltsmädchen wurden in Abidjan, im Landesinneren oder im Ausland in ihre Familien zurückgeführt.
- 1.000 Plakate zur Telefonhotlein für Kinder in Not gedruckt, 2000 Plakate zu Problematik des sexuellen Missbrauchs, 2000 Plakate bezgl. der Arbeit von Haushaltsmädchen und 1.000 Faltblätter als Information zum Projekt.
- Der informelle Austauschkreis zum Thema Haushaltsmädchen wurde gegründet und hat sich regelmäßig zu verschiedenen Themen getroffen.
Fotos
Viele Haushaltshilfen nehmen mit großem Ernst das Angebot eines Fortbildungskurses an: neue Chancen eröffnen sich für diese Mädchen – oft Analphabetinnen oder vorzeitige Schulabgängerinnen.
Junge Hausangestellte werden von einer Projektmitarbeiterin über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt.
Von der ausgebeuteten Haushaltshilfe zur ausgebildeten, selbständigen Friseuse.
Mit glühenden Holzkohlen verbrannte Füße : Kindesmisshandlungen, die keine Grenzen mehr zu kennen scheinen.
Kinderschicksale
G.M., la main brulée avec du charbon chaud
G.M. a 09 ans et elle vivait avec ses parents en Guinée. Son père se nomme GB et sa mère S. Elle est arrivée en Côte d’Ivoire (Abidjan) par l’intermédiaire de la dame DC avec qui elle vit à Yopougon. Cette dernière est allée la chercher en Guinée pour venir faire d’elle une petite servante et vendeuse de banane ambulante.
« Ma patronne m’a accusée d’avoir volé le lait de son bébé pour laper; pour ce fait elle a chauffé un caillou au feu et l’a posé dans ma paume qu’elle a pris soin de resserrer avec un chiffon m’empêchant de jeter l’objet chaud de ma paume. Et aujourd’hui j’ai toute ma paume arrachée ne pouvant en faire usage. »
L’auteur de cet acte odieux a été arrêté et l’enfant conduit au centre Sauvetage du partenaire de Kinderrechte Afrika. Immédiatement, l’enfant a été emmenée au centre des grands brûlés où elle a bénéficié de soins médicaux adéquats pour une guérison rapide. G.M. est toujours au Centre Sauvetage où elle bénéficie d’une prise en charge sociale, psychologique et affective. La plaie est totalement guérie mais elle suit encore des soins de rééducation pour pouvoir retrouver l’usage normal de sa main.
D.N. - Tailladée avec une paire des ciseaux
"Je me nomme D.N. et j’ai 13 ans. Pendant la guerre mes parents ont fui leur domicile en zone assiégée pour venir au village maternel en zone libre. Lorsqu’il y a eu une accalmie, ils ont préféré me laisser auprès de la sœur de ma mère pour que je continue de fréquenter l’école primaire car j’étais en classe de CE1. Eux, ils sont retournés à leur domicile.
Ma tante m’a remise à une de ses amies commerçantes. Cette dame S.C., mère d’une fille de 22 ans, faisait le voyage du village à la ville et vis versa et ce dans le cadre de ses activités commerciales. Ma tante m’a informée que cette femme m’inscrirait dans une bonne école primaire et je pourrais continuer mes études primaires : j’avais 07 ans à ce moment là. Une fois en ville, je n’ai pas été inscrite à l’école ; j’ai été transformée en une véritable servante.
Je faisais tout le ménage de la maison. Je partais vendre au marché avec elle dans son magasin. Je vendais du riz local, des pagnes etc. Dans la maison, je n’avais pas le droit de m’asseoir au salon pour regarder la télé, je n’avais pas le droit de me coucher dans la chambre des enfants, je n’avais pas le droit d’utiliser les salles de toilette. Nous habitons dans un immeuble. Comme je n’avais pas le droit de ranger mes bagages dans la chambre des enfants, je les rangeais sur la dalle de l’immeuble dans un petit endroit. Je me lavais sur la dalle et je me couchais au balcon. J’étais marginalisée par tout le monde dans la maison comme une personne inutile.
A ma grande damnation, bien que tout le monde était présent dans la maison, j’ai été tailladée avec une paire de ciseaux par cette dame pour être sortie de sa maison sans autorisation. L’intervention de la police et du Bice (le partenaire de Kinderrechte Afrika en Côte d'Ivoire) m’a permis aujourd’hui de sortir de ces conditions de vie très difficiles, de retrouver la joie de vivre et de revoir ma famille après 5 ans de calvaire. Je n’ai jamais reçu de salaire !"
La patronne de D.N. a été arrêtée par le commissariat et déférée au parquet de Yopougon ; la demande d’intervention et de constitution de partie civile de Kinderrechte Afrika adressée au Tribunal a été accordée. La patronne a été condamnée à 2 mois d’emprisonnement ferme et au paiement de 600 000 FCFA à titre de dommages et intérêts à Kinderrechte Afrika pour le compte de la jeune fille. Le mari de la Dame a commencé à verser les dommages et intérêts, à l’heure actuelle 230.000 FCFA ont été versé pour cet enfant.
Die Geschichte von Fatou
Fatou hat neun Monate im Gefängnis in Abidjan verbracht, weil sie Opfer
eines Justizirrtums war. Sie wurde festgenommen aufgrund einer üblen Verleumdung einer reichen und bekannten Sängerin, der es ein Leichtes war, das Ohr von Polizei und Justiz zu gewinnen. Fatou wurde nicht angehört...
Das Schicksal von Fatou ist typisch für viele dieser jungen Hausangestellten, die Arbeit als Mädchen für alles (!) finden. Der Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt, schuften sie oft rund um die Uhr, werden dabei meist nur in Naturalien abgefunden, im wahren Sinne des Wortes abgespeist. Wenn sie dann unbequem werden, ihre bescheidenen Rechte verlangen, dem Hausherrn sexuell nicht gefügig sind oder der Familie überdrüssig werden, folgt die Denunziation bei der Polizei, die Anklage des Diebstahls. So auch im Fall von Fatou: sie wurde bezichtigt, 23 (!) kg Schmuck der Sängerin gestohlen zu haben, ein Akt, zu dem dieses unschuldige Mädchen aus einem kleinen Dorf nicht fähig ist. In Gesprächen mit der Psychologin und dem BICE Anwalt beteuerte Fatou immer wieder ihre Unschuld. Aber Fatou anzuklagen und in die Haft abzuschieben passte ins Kalkül, um so die unliebsame und unbotmäßige Haushaltshilfe quitt zu werden und den Familienskandal zu vermeiden. Es bedurfte schwieriger Verhandlungen, um endlich dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen.
Amele erzählt
»Ich heiße Amélé und bin 17 Jahre alt. Als ich in der dritten Klasse war, kam ein Cousin und brachte mich nach Abidjan. Ich habe ihm in seinem kleinen Gemüsegeschäft geholfen, aber zur Schule bin ich nicht mehr gegangen. Ich habe seinen ganzen Haushalt gemacht. Nach zwei Jahren harter Arbeit habe ich gedroht, wegzulaufen und nach Hause zurückzukehren. Der Sohn seiner Frau hatte Geld verloren, und ich wurde beschuldigt, das Geld gestohlen zu haben. Tagelang schlug man mich mit Stöcken und gab mir nichts zu essen. Meine Drohung machte ihnen Angst, und sie brachten mich nach Hause zurück. Nach 8 Monaten habe ich davon erfahren, dass BICE mir bei einer Ausbildung helfen könnte. Ich habe mich dort gemeldet und wurde als Frisörlehrling angenommen. Meine Eltern hätten nie die Mittel gehabt, mir eine solche Ausbildung zu ermöglichen. Viele meiner Schwestern sind in einer ähnlichen Situation und haben keinerlei Perspektiven für ihre Zukunft. Ich kann später meinen Lebensunterhalt selbst verdienen und ein besseres Leben als meine Mutter führen; ich werde meine Eltern entlasten und mich um meine kleinen Geschwister kümmern.«






