Kinder mit Behinderung
Soziale Eingliederung von Kindern mit Behinderungen.
Beschreibung
Nach vielen Jahren erfolgreicher Projektdurchführung in der Elfenbeinküste, möchte Kinderrechte Afrika e.V. ein Projekt für Kinder mit Behinderung in Kamerun starten.
Bitte unterstützen Sie uns dabei!
Zielgruppen
- Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und gezielten physiotherapeutischen Maßnahmen haben.
- Aufgrund der Behinderung ihres Kindes verstoßene oder verlassene Mütter.
- Familien mit einem behinderten Kind.Das Herkunftsmilieu, die soziale Gemeinschaft, Sozialarbeiter, der Staat mit seinen verschiedenen Institutionen.
Ausgangssituation - Kontext
80% der weltweit über 500 Millionen Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern; darunter sind auf dem afrikanischen Kontinent mehr als 50% Kinder unter 15 Jahren.
Kinder mit Behinderungen in afrikanischen Ländern gelten oftmals als „bestraft“ und erfahren entsprechende Ausgrenzungen. Weit verbreitet sind z.B. Annahmen, dass Menschen mit Behinderungen verhext oder verflucht seien bzw. dies von Gott gewollt sei.
Häufig werden Kinder mit Behinderungen zu Tode gepeinigt. Oft werden die Mütter von der Familien- oder Dorfgemeinschaft verstoßen, von ihren Männern verlassen, und müssen zumeist ohne Ausbildung auf der Straße, mit Gelegenheitsarbeiten oder Prostitution, um ihr Überleben und das ihres Kindes bzw. ihrer Kinder kämpfen.
Ziele unseres Engagements
- Die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens und soziale Aktivitäten zum Schutz, zur medizinischen Versorgung, Rehabilitation und Integration von Kindern mit Behinderungen.
- Angebot einer psychosozialen Betreuung von Familien mit behinderten Kindern zur sozialen Rehabilitation der Mütter und ihrer behinderten Kinder.
- Dass die soziale Gemeinschaft ihre schwächsten und verwundbarsten Mitglieder – Kinder mit Behinderungen respektiert, schützt und integriert.
Wesentliche Aktivitäten
- Früherkennung von Behinderungen und Betreuung von Kindern mit Behinderung im offenen Milieu.
- Medizinische Grundversorgung, angepasste Reha-Maßnahmen und Impfung der Kinder.
- Frühförderung von Kleinkindern, Alphabetisierung und vorberufliche Ausbildung von Jugendlichen, Vermittlung in Lehrberufe und Starthilfen bei der Aufnahme eines Kleingewerbes.
- Sensibilisierung der Mütter und der sozialen Gemeinschaft im Hinblick auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen.
- Schulung, Begleitung von und Kleinkredite für Mütter(n), die ein Kleingewerbe betreiben.
- Schulung und Begleitung der Elternvereinigung zur Stärkung ihrer Kompetenz.
- Intensive Zusammenarbeit mit der Gemeinde zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und zur Schaffung sozialer Strukturen im Wohnviertel.
- Zusammenarbeit mit Behindertenvereinigungen zur Durchsetzung der Rechte von Kindern mit Behinderungen.
Erfahrung aus der Elfenbeinküste
Von 1996 bis 2009 hat sich Kinderrechte Afrika e.V. in Zusammenarbeit mit Bice- Elfenbeinküste für die Umsetzung der Rechte von Kindern mit Behinderung eingesetzt.
Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse sowie Projektbilder und Kinderschicksale:
- 300 Kinder und Jugendliche bekamen Zugang zu medizinischer Grundversorgung.
- 70 Kleinkinder erhielten Frühförderung zur Entwicklung ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten, 24 wurden eingeschult, 17 Jugendliche in eine Lehrstelle vermittelt.
- 80 Kinder nahmen an Rehabilitationsmaßnahmen teil.
- Alphabetisierungskurse, Vermittlung von lebensnahen Fertigkeiten, Gesundheitserziehung für Kinder, die nicht die Schule besuchen können.
- Wiederbelebung der Aktivitäten der Elternvereinigung, Einbeziehung der Eltern bei Frühfördermaßnahmen, Mobilisierung der sozialen Gemeinschaft, Einrichtung einer Kantine im Rehabilitationszentrum, Gründung eines Verwaltungsgremiums für Einkommen schaffende Maßnahmen.
- Sensibilisierung und Plädoyer: In Zusammenarbeit mit 15 anderen Nichtregierungsorganisationen und Vereinen Schaffung einer Vereinigung zur Sensibilisierung zum Thema Behinderungen, einer Zeitung, Mitwirkung an einer Fernsehsendung, an Radiosendungen, mehrere Auftritte einer Theatergruppe von Jugendlichen, Organisation eines Tags der offenen Tür.
Fotos
Kinder verbringen ihren Tag im Behindertenzentrum (CESEH) von Bice-Elfenbeinküste. Dies ist eine große Entlastung für die Mütter der Kinder im täglichen Überlebenskampf. Ihre Kinder werden betreut und gefördert, lernen, spielen, essen gemeinsam und werden zunehmend unabhängiger von fremder Hilfe.
Durch die frühzeitige physiotherapeutische Intervention ist es bisher gelungen, hunderten von Kindern ein Schicksal im Rollstuhl zu ersparen, oder noch schlimmer, ein Kinderleben zunächst auf dem Rücken der Mütter und dann das demütigende und entwürdigende Fortbewegen durch Kriechen auf allen Vieren.
Medizinische Betreuung und Reha-Maßnahmen, wobei auch die Mütter einbezogen werden, bewirken oft kleine Wunder.
Ruhephasen nach der Mahlzeit gefolgt von Sport, Spiel, Singen, Musik, Einübung von Sketchen und auch Freispiel, um die kreativen Fähigkeiten der Kinder zu fördern.
Kinderschicksale
Die Mutter von Ange erzählt:
„Die Schwangerschaft verlief ganz normal. Kurz vor dem eigentlichen Geburtstermin ist die Fruchtblase geplatzt. Drei Tage später habe ich entbunden. Die Geburt war sehr schwer und dauerte über 12 Stunden. Mein Sohn hat erst nach ein paar sanften Schlägen der Hebamme geschrien und kam anschließend sofort für drei Tage in den Brutkasten.
Nach einem Jahr merkte ich, dass er sich nicht setzen und auch noch nicht sprechen konnte. Mein Mann und ich haben es zunächst mit einer traditionellen Behandlung versucht. Ange bekommt regelmäßig Schüttelkrämpfe. Ich gebe ihm Antiepileptika. Sein Vater hat mich verlassen, als sein Zustand sich nicht bessern wollte. Er hat die anderen Kinder mitgenommen, ohne mich zu fragen. Ich muss Ange ganz alleine versorgen. Im Rehabilitationszentrum kümmert man sich sehr gut um Ange. Er wird von einem Physiotherapeuten regelmäßig betreut. Seine Medikamente bekommt er von dort. Seine Anfälle nehmen ab, und auch die Krämpfe lassen nach.“
Die Mutter von Samu erzählt:
„Ich bin Samus Mutter. Während ich mit Samu schwanger war, habe ich eine Gelbsucht bekommen. Bei der Geburt stellte der Kinderarzt eine Neuromalaria fest. Er kam für 10 Tage in einen Brutkasten der Universitätsklinik von Bouaké. Als ich ihn dort abholte, hatte sich sein Zustand sehr gebessert, allerdings hatte er häufig Schüttelkrämpfe. Während seines letzten Schüttelkrampfes im September 2007 fiel er ins Koma. Er kam auf die Intensivstation. Sein Zustand verbesserte sich. Jedoch sein Sprachzentrum war gestört.
Zur gleichen Zeit verstarb der Vater von Samu nach kurzer Krankheit. Seit dieser Zeit kümmere ich mich alleine um das Kind. Eine Freundin von mir hat mir von dem Rehabilitationszentrum erzählt. Für meinen Sohn wünsche ich mir, dass er an der Frühförderung teilnehmen kann.“
Samu nimmt seit November 2008 an der Frühförderung teil. Er kann wieder einige Worte verständlich aussprechen, und auch seine Schüttelkrämpfe sind seltener geworden, da er regelmäßig Medikamente bekommt.
Sima erzählt: Mutter von 7 Kindern, davon ein Kind mit Behinderungen:
„Mein Name ist Siama Noumalado, ich bin Witwe und lebe hier im Viertel Doukouré mit meinen 7 Kindern. Eine meiner Töchter bekam mit 2 Jahren Kinderlähmung und ist seitdem behindert. 1996 sahen Bice-Elfenbeinküste* Mitarbeiter meine Tochter auf allen Vieren kriechen und kamen ihr sofort zu Hilfe. Im Rehabilitationszentrum bekam sie ihre ersten Gehhilfen. Dank der Unterstützung kann meine Tochter heute in Würde aufrecht gehen wie die anderen und erhält bei Bedarf neue Gehhilfen. Aber das ist noch nicht alles. Als ich 1997 Schwierigkeiten bei dem Verkauf meiner Bananen auf dem Markt hatte, half Bice mir unbürokratisch und gab mir einen Kleinkredit in Höhe von FCFA 50.000 (76 EUR). Ich konnte den Kredit zurückzahlen und meinen Kleinhandel so ausbauen, dass ich davon leben kann. Heute verkaufe ich Mais. Auch in diesem Jahr hat Bice mir eine Summe von FCFA 75.000 (114 EUR) als Kredit gewährt, die ich gerade zurückgezahlt habe. Es blieb sogar noch etwas Geld übrig, das ich anlässlich der offiziellen Eröffnung von dem CESEH in Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen überreicht bekam.
Wenn ich krank bin, erhalte ich Hilfe und meine Kinder werden betreut. Heute ist diese Organisation wie ein Schutzengel für mich, und ich hoffe, dass sie ihre humanitäre Arbeit zugunsten unserer Kinder fortsetzt. Danke Bice.“
* Bice-Elfenbeinküste ist ein Partner von Kinderrechte Afrika e.V.
Guy’s Mutter berichtet von ihrem Sohn:
"Mein Sohn Guy ist 10 Jahre alt. Im dritten Schwangerschaftsmonat gab es Schwierigkeiten in unserer Ehe. Bei einem misslungenen Schwangerschaftsabbruch habe ich viel Blut verloren. Ich habe das Baby behalten und bin regelmäßig zur Untersuchung zur Hebamme gegangen. Die Geburt ist ohne Komplikationen verlaufen, allerdings hat das Baby erst nach ein paar Klapsen der Hebammen geschrien.
Guy schlief viel, und ich hielt das zunächst für normal. Im Alter von 3 Monaten wurde er dann sehr krank und musste lange Zeit ärztlich behandelt werden. Er konnte erst mit 7 Monaten sitzen und mit 19 Monaten laufen. Mit 5 Jahren wurde er eingeschult, aber die Lehrer sagten mir, dass er zu unruhig sei, nicht mitkäme und sie ihn daher nicht in der Schule behalten könnten. Man riet mir, ihn ins Bice Kinderschutzzentrum für behinderte Kinder zu geben.
Nach einem Gespräch mit dem Leiter des Kinderschutzzentrums wurde Guy in der Kinderklinik neurologisch untersucht. Es wurde Epilepsie festgestellt. Guy bekommt seither Medikamente und kann im Bice Kinderschutzzentrum an den Maßnahmen zur Frühförderung teilnehmen. Durch die gute und regelmäßige Betreuung haben seine Anfälle nachgelassen, er kann sich verständlich ausdrücken und ist viel selbständiger geworden."
Die Mutter von José, 12, geistig behindert:
"Früher wollte sich José nicht waschen, ich musste ihn immer dazu drängen. Seit seiner Rückkehr aus dem Ferienlager wäscht er sich allein und räumt ohne Aufforderung den Tisch ab. Morgens putzt er sich die Zähne, manchmal hilft er seinen Schwestern beim Abwasch. Früher war gar nicht daran zu denken. Mein Sohn ist sehr viel selbständiger geworden, und ich bin Bice-Elfenbeinküste sehr dankbar für die Unterstützung und gute Betreuung."
Darius, 14, Schüler:
"Ich fühle mich wohl hier. Neue Freunde habe ich auch schon gefunden, mit denen ich spielen kann. Es ist das erste Mal, dass ich mit behinderten Kindern zusammenkomme, mit Kindern, die nicht sprechen oder deren Worte ich kaum verstehen kann. Am Anfang hatte ich Angst vor ihnen. Aber die Mitarbeiter von Bice erklärten mir, dass sie wie wir sind und dass durch einen Unfall oder eine Krankheit jeder zu einem Behinderten werden könnte. Jetzt kann ich das viel besser verstehen. Ich helfe meinen neuen Freunden oft beim Spazierengehen und Abwaschen. Sie sind sehr freundlich und gar nicht so wie ich mir sie vorgestellt habe. Zu meinen Freunden sage ich immer, dass sie genauso wie wir das Recht haben, zu spielen und zur Schule zu gehen."




