Lastenträgerinnen und ihre Kinder - Togo
Projekt zur Verbesserung der Lebenssituation junger Lastenträgerinnen.
Beschreibung
Land: Togo (Lomé und Region Maritime (Präfekturen Lacs und Vo)
Finanzzeitraum: seit 1995
Unser Engagement für:
- Mädchen und junge Mütter mit ihren Kindern unter 15 Jahren
- Lastenträgerinnen in schwierigen Lebenssituationen, Opfer von wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung.
- Dörfer im Herkunftsmilieu der Lastenträgerinnen, Sozialarbeiter, Partnerorganisationen, Arbeitgeber, Marktaufseher, staatliche Institutionen und Dienste.
- Polizei- und Justizbeamte, Sozialarbeiter.
- Dorfchefs und -älteste von 25 Gemeinden der Präfekturen Lacs und VoLehrer und Schüler von 80 Schulen.
- Die Zivilgesellschaft (Kinderschutzkomitees, Initiativen, Elternvereinigungen).
- Journalisten.
Mitarbeiter: 32 Mitarbeiter aus verschiedenen Berufsgruppen (vor allem Sozialarbeiter und Juristen)
Dauer: 36 Monate, Projektphase: 1. Januar 2007 – 31. Dezember 2009
Finanzierung:
Budget: EUR 1.050.000
Finanzpartner: Europäische Kommission, Caritas International, Fondation OAK, Kindermissionswerk
Ausgangssituation - Kontext
Die Arbeit im Rahmen dieses Projektes dient einer ganz besonderen Zielgruppe: Kindern, vor allem Mädchen, die Opfer von Ausbeutung und Ausgrenzung im Lastenträgermilieu in Lomé geworden sind. Diese jungen Lastenträgerinnen sind ganz besonders gefährdet. Sie leben getrennt von ihren Familien, gewollt oder gezwungenermaßen, und sind in ihrem Überlebenskampf auf sich selbst gestellt oder wurden manchmal auch Dritten anvertraut. Sie haben keinen Zugang zu Gesundheitsvorsorge, bekommen keine familiäre Zuwendung und sind oft schutzlos Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. Diese Kinder werden häufig Opfer von Misshandlungen oder werden wirtschaftlich und/oder sexuell missbraucht und so in ihrer Würde verletzt.
Besonders Mädchen aus kinderreichen armen Familien auf dem Land werden von ihren Eltern in solche Arbeitsverhältnisse gebracht, oder wollen auch selbst dem Elend oder einer Zwangsheirat entkommen. Sie glauben, in den Großstädten ihr Glück zu finden, wo sie als Haushaltshilfen, Kleinhändlerinnen oder Lastenträgerinnen ausgebeutet werden. Sie kämpfen auf der Straße ums Überleben, oft zusammen in Gruppen mit Jungen, die die Schule abgebrochen haben. Ohne familiären Rückhalt müssen sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, z.B. mit dem Transport von Waren (sog. Lastenträger), mit Kleinhandel auf den Märkten und in den Straßen, Bewachung von Autos oder Mülleinsammeln. Viele dieser Kinder auf der Straße kommen frühzeitig mit sexuellem Missbrauch in Kontakt und oft werden sie zu recht oder zu unrecht des Vagabundierens, Diebstahls, Betrugs, Vertrauensmissbrauchs, der Zugehörigkeit zu kriminellen Gruppierungen, der Vergewaltigung, der Schlägerei und des Besitzes von Drogen verdächtigt und angeklagt.
Die Projektmaßnahmen sollen dazu beitragen, ein Kinderrechte schützendes und förderndes Umfeld zu schaffen. Besonders sollen Mädchen geschützt werden und ihnen der Zugang zu allen wichtigen Ausbildungseinrichtungen ermöglicht werden, damit sie gegen Ausbeutung und Misshandlung besser geschützt werden. Ein partizipativer und ganzheitlicher Ansatz auf der Basis lokaler Lösungen findet dabei Anwendung. Vertreter örtlicher Behörden, Lehrer oder Mitglieder von lokalen Kinderschutzkomitees engagieren sich zusammen für die Durchsetzung und den Schutz der Rechte
Ziele
Allgemeines Ziel unseres Engagements (Oberziel):
„Der Status und die Zukunftsperspektiven der Kinder, insbesondere der Mädchen, in extremer Armut und/oder Opfer wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung werden verbessert dank nachhaltiger Veränderungen, die durch die Stärkung ihrer Fertigkeiten, die Förderung ihres sozialen Status und die Verteidigung ihrer elementaren Rechte erreicht wurden.“
Besondere Ziele unseres Engagements (Unterziele):
Politische Ebene: „Der institutionelle und gesetzliche Rahmen für einen verbesserten Schutz gegen jegliche Art von Missbrauch und Diskriminierung von Kindern, insbesondere Mädchen, wird internationalen Normen und Richtlinien angepasst.“
Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft: „Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen staatlichen Institutionen mit der Zivilgesellschaft, den Medien und Bice wird organisiert und gefestigt. Der Austausch erfolgreicher Strategien, deren Veröffentlichung, allgemeine Verbreitung und Durchsetzung fördert die Entwicklung eines Kinderrechte schützenden Umfeldes.“
Konkrete Arbeit für Kinder: Die Lebensbedingungen von Kindern, die Opfer von wirtschaftlicher oder sexueller Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung wurden oder gefährdet sind, werden verbessert und gestärkt.
Wesentliche Aktivitäten
- Aufklärung und ‚Sensibilisierung‘ der zuständigen Ministerien und deren Mitarbeiter, der Parlamentarier, der Bezirksleiter und Ortsvorsteher hinsichtlich der prekären Lebenssituation der Lastenträgerinnen und ihrer Kinder mit dem Ziel eines besseren Schutzes ihrer Rechte und der Verbesserung ihrer Zukunftsperspektiven.
- Schulungen und Weiterbildungskurse zur Stärkung der Mitarbeiter-Kompetenzen der verschiedenen Ministerien bzgl. der Förderung und Durchsetzung der elementaren Rechte und Würde von Mädchen, jungen Müttern und ihren Kindern.
- Ausarbeitung und Verbreitung eines erläuternden Handbuchs über das togoische Kinder- und Jugendschutzgesetz mit Kommentaren und Empfehlungen für eine wirksame Anwendung in der täglichen Praxis.
- Schulung und Unterstützung der lokalen Kinderschutzkomitees im ländlichen Raum.
- Aufklärung, Schulung und Begleitung der Eltern und Lehrer hinsichtlich ihrer erzieherischen Verantwortung gegenüber ihren Kindern bzw. Schülern.
- Ausarbeitung und Veröffentlichung praktischer Handlungsanleitungen und pädagogischer Lehrmaterialien zur Stärkung der Kompetenzen der Bice Sozialarbeiter und der Mitarbeiter seiner Partnerorganisationen im Rahmen ihrer Präventionsarbeit im Hinblick auf Ausbeutung und Missbrauch von Kindern, besonders von Mädchen.
- Schaffung und/oder Stärkung von Netzwerken innerhalb der Zivilgesellschaft im Bereich der Präventionsarbeit gegen sexuelle Ausbeutung.
- Schaffung bzw. Erleichterung des Zugangs der Kinder – insbesondere der Mädchen – zu Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätzen , die ihre Würde und ihre Rechte respektieren.
- Identifizierung, psychosoziale Betreuung, soziale und familiäre Rehabilitierung und Wiedereingliederung in das heimatliche Umfeld von Mädchen, die Opfer von sexueller Ausbeutung geworden oder gefährdet sind.
- Medizinische Grundversorgung der Kinder (Impfungen, Gesundheitsvorsorge etc.),
- Frühkindliche Erziehung und Unterstützung bei der Einschulung der Kinder von Lastenträgerinnen und von Kindern in extremer Armut im ländlichen Milieu.
- Gewährleistung des Schulbesuches von Kindern mittelloser Eltern.
- Unterstützung bei der Alphabetisierung und des alternativen Schulbesuches von Mädchen, die frühzeitig die Schule abgebrochen haben.
- Schulungs- und Aufklärungskurse in Hygiene und Gesundheitsfürsorge.
Die wichtigsten Ergebnisse 2006-2008
Politische Ebene:
- 2006-2008 Verabschiedung des Kinder- und Jugendschutzgesetzes und Verabschiedung der nationalen Jugendschutz-Politik und des Strategieplanes zur Förderung und Durchsetzung von Kinderrechten.
- Erhöhtes Bewusstsein über die Verantwortung des Staats hinsichtlich der Durchsetzung der Rechte von Kindern in Notsituationen
- Einrichtung einer Hotline für Kinder in Not.
- Die Verbreitung des Kinder- und Jugendschutzgesetzes im Bereich der Polizei und Justiz.
- Ein bemerkenswerter Anfang ist gemacht bei der Zusammenarbeit zwischen der Gendarmerie und den Mitgliedern der Kinderschutzkomitees im Hinblick auf Meldungen von Kindesmissbrauch und die Verfolgung der Straftäter.
- Bei der Begleitung der Kinderschutzkomitees arbeiten Bice und die regionalen Sozialministerien der Präfekturen von Vo und Lacs eng zusammen.
Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft:
- Größeres Engagement der örtlichen Netzwerke für die Durchsetzung und den Schutz von Kinderrechten.
- Einbeziehung der verschiedenen Institutionen und Dienste sowie Dorfältesten in die Arbeit von Bice sowie deren aktive Mitarbeit bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz ihrer Kinder.
- Zunahme des Verantwortungsbewusstseins auf Seiten der Dorfchefs, auch bzgl. ihrer Grenzen bei Kinderrechtsverletzungen in ihrem Einflussbereich.
- Referenzmechanismen für die Anzeige von Kinderrechtsverletzungen wurden installiert und immer häufiger werden diese zur Anzeige gebracht.
- Kinderschutzkomitees engagieren sich aktiver für die Durchsetzung von Kinderrechten, bringen Kinderrechtsverletzungen zur Anzeige und suchen immer öfter die Unterstützung von Bice. Alle 25 Kinderschutzkomitees verfügen über Maßnahmenkataloge. 76 % engagieren sich mit konkreten Aktivitäten für den Schutz und die Förderung von Kinderrechten.
- Erhöhtes Verantwortungsbewusstsein der Eltern gegenüber ihren Kindern,
- Eine intensive Zusammenarbeit mit vier Radiostationen in Lomé und drei Stationen im ländlichen Milieu zur Aufklärung der breiten Öffentlichkeit.
- Aufklärungskampagnen über Radio und Fernsehen zu Gewalt, Missbrauch und sexueller Ausbeutung, aber auch die verschiedenen Diskussionsrunden und Veranstaltungen zu ihren Rechten und Pflichten ermöglichten es den Kindern selber, ihre Rechte besser erkennen zu können, riskante Situationen zu vermeiden und Kinderrechtsverletzungen anzuzeigen und damit gut auf Konfliktsituationen vorbereitet zu sein.
Konkrete Arbeit für Kinder:
- 271 Kinder erhielten nachträglich eine Geburtsurkunde – ein wichtiges Dokument, das ihnen eine legale Existenz bescheinigt.
- 161 Mädchen - Opfer sexueller Ausbeutung - haben 2007 und 2008 mit Hilfe von Bice dieses Milieu verlassen. Sie wurden rehabilitiert, von ihren Familien wieder aufgenommen und fanden eine Lehrstelle in verschiedenen Werkstätten.
- Zwischen 250 und 300 Kinder von Lastenträgerinnen oder Kinder aus sehr armen Milieu werden jährlich in den Zentren für frühkindliche Bildung betreut, ihre Fähigkeiten stimuliert und somit ein wichtiger Grundstein für ihre Zukunftschancen gelegt.
- Etwas mehr als 1000 Kinder aus dem ländlichen Raum und in Lomé werden jedes Jahr bei der Einschulung unterstützt und können somit ihr Recht auf Bildung wahrnehmen.
Fotos
Kinder von Lastenträgerinnen: Eine Geburtsurkunde, das Aufwachsen in einem gesunden Milieu, Frühförderung, eine angemessene Ernährung und Gesundheitsfürsorge sind die Eckpfeiler für die Zukunft dieser Kinder.
Seit einigen Jahren unterhält Bice-Togo (der Partner von Kinderrechte Afrika e.V. in Togo) zwei Kindergärten in Lomé, das Centre Dzidudu (angeschlossen an das Büro von Bice-Togo) und das CAP (Centre d’accueil de proximité), das sich im Hofe eines der Wohnhäuser der Lastenträgerinnen befindet. Es handelt sich um Tagesstätten, in denen ausschließlich Kleinkinder (2 – 7 Jahre) der Lastenträgerinnen betreut werden. Im Mittelpunkt steht die frühkindliche Erziehung der Kleinkinder, um ihnen Chancen und Wege zu bahnen, in wenigen Jahren auf die Schule gehen zu können.
Mit Spielen, Tanzen und Übungen werden im Stabilisierungszentrum von Avoutokpa gegenseitiges Vertrauen, Selbstwertgefühle und Gemeinschaftsgeist gestärkt.
Jungen Mädchen, Opfer von Ausbeutung und Missbrauch werden in Avoutokpa nicht nur psychosozial betreut, sie lernen auch ein Handwerk, um Ihnen eine familiäre und berufliche Wiedereingliederung zu ermöglichen. Spiele und Gruppenprozesse helfen Ihnen Ihre erlebten Traumata zu bearbeiten.
Mit der Vergabe von Kleinkrediten an vorgenossenschaftliche Vereinigungen hilft Kinderrechte Afrika e.V. bei der Entwicklung der verarmten ländlichen Regionen und trägt damit zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Herkunftsmilieu der Lastenträgerinnen und zur Verringerung des Exodus der Landbevölkerung in die Großstadt bei.
Aktive Mitwirkung der Gemeinden an der lokalen Verwirklichung von Kinderrechten beginnt mit der gemeinsamen Planung von Strategien und Aktionen.
Kinderschicksale
Die Geschichte eines Mädchens, das Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist und jetzt dank der beruflichen Wiedereingliederung als Schneidermeisterin arbeitet.
„Mir ging es wirklich sehr schlecht, als ich zufällig die Sozialarbeiter von Bice Togo (togoischer Partner von Kinderrechte Afrika e.V.) in Lomé traf.
Ich lebte bei meiner großen Schwester, die als Lastenträgerin arbeitete. Meine Eltern sind im Dorf geblieben. In Lomé ist das Leben sehr hart. Es ist sehr schwierig, etwas zu essen zu bekommen. Ich habe einem nigerianischen Händler geholfen und dafür etwas Geld für Lebensmittel erhalten. Er hat dann Geschlechtsverkehr mit mir gehabt. Ich wurde sehr schnell schwanger und bekam ein Mädchen. Diese Zeit war sehr hart für mich, ich ging noch zur Schule. Meine Mutter akzeptierte, mein Kind im Dorf großzuziehen. Bice hat mich dann unterstützt, damit ich eine Schneiderlehre machen kann. Sie haben auch alle anfallenden Kosten für den Ausbildungsvertrag übernommen und mich in den drei Jahren der Ausbildung immer unterstützt und begleitet. Heute habe ich mein Diplom in den Händen und bin sehr zufrieden. Ich habe Tränen in den Augen, wenn ich zurückschaue. Ich hatte das Glück, Leuten zu begegnen, die mir aus der Misere halfen. Ich war verzweifelt, aber heute bin ich glücklich.
Ich habe meine Lektion gelernt und kann anderen Mädchen nur folgendes sagen: ein Mann kann dich betrügen, dich verlassen und ablehnen, vielleicht auch unterstützen, aber ein Beruf enttäuscht dich nicht, verlässt dich nicht und sichert dir deinen Lebensunterhalt. Es ist viel besser, in der Schule und in der Lehre zu lernen und sich zu engagieren, um morgen etwas zu essen zu haben.
Ich denke gerade darüber nach, mein eigenes Atelier zu eröffnen und darin zu arbeiten. Sobald ich etwas Geld verdiene, werde ich meine Tochter zu mir nehmen und sie in die Schule schicken. Ich werde aufpassen, dass sie es leichter im Leben haben wird als ich. Ich habe die Schlechtigkeit der Menschen kennen gelernt, die die Not der anderen ausnutzen, sie andererseits aber auch härter macht."
Geschichte eines gefährdeten Mädchens auf dem Lande
„Ich heiße B. Ich komme aus Atcha. Ich bin das dritte von sieben Kindern. Meine Eltern haben mich in die Schule gehen lassen, aber dann fehlte das Geld, und ich musste die Schule verlassen. Ich habe als Lastenträgerin in Lomé gearbeitet, damit mich meine Eltern in eine Lehre geben konnten.
Schon zu Beginn meiner Arbeit als Lastenträgerin traf ich in meiner Gruppe die Sozialarbeiter von Bice Togo. In den Gesprächen mit ihnen wurden uns die Nachteile der Arbeit von Lastenträgerinnen, besonders für uns Mädchen, erklärt. Sie haben uns versprochen, dass sie uns helfen werden, eine Lehrstelle in den Berufen unserer Wahl in unseren Dörfern zu bekommen. Ich bin daraufhin in mein Dorf zurückgekehrt. Meine Eltern waren sehr zufrieden mit der Hilfe durch Bice. Heute bin ich Lehrling in einem Schneideratelier in einem Nachbardorf. Bice hat alle anfallenden Kosten für den Ausbildungsvertrag übernommen. Sie haben mir auch bei meinen gesundheitlichen Problemen geholfen. Heute bin ich sicher, meine Lehre erfolgreich beenden zu können und eine angesehene Schneiderin zu werden.“
A.D. erzählt:
"Ich heiße A.D. und bin 13 Jahre alt. Meine Eltern sind arme Kleinbauern aus Vogan. Aber unsere Armut hat unseren Vater nicht daran gehindert, 5 Frauen zu nehmen. Jetzt habe ich 14 Geschwister. Ich bin seit einem Monat in Lomé und habe mich zwei älteren Mädchen aus meinem Dorf auf der Suche nach Arbeit angeschlossen; denn meine Eltern können uns nicht mehr alle ernähren. Ich habe gehofft, als Lastenträgerin etwas Geld zu verdienen. Aber die Arbeit ist hart und man verdient kaum etwas. Ich bin enttäuscht, manchmal auch verzweifelt. Ich will aber auch nicht zurück ins Dorf, denn dann riskiere ich, von meinem Vater
verheiratet zu werden, damit er das Brautgeld kriegt. Ich will aber nicht verheiratet werden. Ich wollte immer in die Schule gehen. Das war mein Traum. Aber ich bin arm geboren, und daher bleibt es für mich ein Traum. Weil ich arm geboren bin, bin ich heute hier und arbeite als Lastenträgerin. Aber eines Tages werde ich damit aufhören.«
Awa – Prostitution als Mittel zum Überleben:
»Ich heiße Awa und bin 15 Jahre alt. Mein Vater starb, als ich 6 oder 7 Jahre alt war. Ich bin im Dorf meiner Großmutter aufgewachsen. Da das Geld nicht reichte, musste ich die Schule ab der Klasse CP2 verlassen. Später bin ich dann zu meiner Mutter nach Lomé gegangen. Aber es gab immer Streit mit meinem Stiefvater, so dass ich davongelaufen bin. Um mir ein bisschen Geld zu verdienen, habe ich einer Frau im Straßenimbiss geholfen. Ich habe das Geschirr und die Töpfe abgewaschen. Abends hat sie mir dann 300 FCFA (0,46 EURO) bezahlt. Sie hat mir zwar mittags etwas zu essen gegeben, aber das Geld reichte nicht, um davon zu leben. Ich musste daher schleunigst eine andere Geldquelle finden, wenn ich nicht nach Hause zurückkehren wollte.
Ich gehe jeden Tag mit meinen Freundinnen aus, und wir haben oft bis zu drei Partner die Nacht. Wir verdienen damit zwischen FCFA 1000 und 5000 (1,52 EURO bis 7,62 EURO), je nachdem, wieviel Zeit wir mit den Freiern verbringen. Von dem Geld müssen wir noch das Stundenzimmer bezahlen: FCFA 500 pro Freier. Wir haben gerade genug, um uns etwas zu essen und ab und zu Kleidung und Modeschmuck zu kaufen. Manchmal haben wir auch Sex in den Geschäften. Wir geben dann dem Inhaber oder dem Wächter FCFA 500. In diesem Milieu sind brutale Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Wir wurden schon unter Drogen gesetzt, von einzelnen oder Gruppen von Männern vergewaltigt. Ich habe Ablodekpamé verlassen, denn alle meine Freundinnen sind auch weggegangen. Ich blieb allein zurück, der Gewalt der Männer ausgesetzt, die auch in diesem Viertel leben.
Jetzt schlafe ich im Parkhaus des Hotels Palm Beach mit zwei anderen Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren. Ich würde gerne etwas anderes machen, den Beruf der Schneiderin erlernen zum Beispiel, aber dafür fehlt mir das Geld.«



