Kinderhandel in Benin


Projektbesuch bei unserer Partnerorganisation ESGB in BENIN
November 2010 - Susanne Souaré-Michel


Anfang August 2010: Wieder erreicht uns eine Schreckensmeldung aus Benin: 56 Kinder zwischen 8 und 17 Jahren, die in 6 Minibussen aus dem Norden nach Cotonou, der Hauptstadt Benins transportiert werden sollten, um dort als Hausangestellt an Familien verkauft zu werden. Die Minibusse waren wegen ihrer großen Anzahl von Kindern aufgefallen und lokale Nicht-Regierungsorganisationen, die sich für den Kampf gegen Kinderhandel engagieren, konnten mit Polizei und Gendarmerie die Transporteure dingfest machen. Die Minibusse wurden gestoppt und kontrolliert, wohin die Kinder und Jugendlichen unterwegs waren und ob eine notwendige Erlaubnis für den Transport vorliegt, was nicht der Fall war. Die Transporteure wurden in Polizeigewahrsam genommen und die Kinder wieder zurück in ihre Heimatorte gebracht.In Benin, wie in vielen westafrikanischen Staaten, dürfen Kinder nicht ohne eine rechtmäßige Begleitung transportiert werden – weder innerhalb des Landes, noch über die Landesgrenzen hinaus. Die Gesetze sind streng, da der Kinderhandel in den letzten 10 Jahren stark zugenommen hat. Selbst Eltern, die mit ihren eigenen Kindern reisen, werden kontrolliert. Polizei, Gendarmerie, wie auch jeder Bürger, sind dazu angehalten, darauf zu achten, dass Kinder und Jugendliche nicht ohne rechtmäßige Begleitung reisen.

Bei unserer Partnerorganisation ESGB in Porto-Novo treffen wir im Oktober 2010 auf zwei 12-jährige Mädchen aus einem gleichen Dorf. Sie wurden beide seit ihrem 8. Lebensjahr als Haushaltsmädchen an verschiedene Haushalte in Nigeria verkauft. Die Mädchen erzählen uns: Ein Menschen-Händler kommt ins Dorf und spricht Kinder und Eltern an, gibt den Eltern Geld für uns Kinder und verspricht, dass es uns gut gehen wird in Nigeria.

Die Mädchen waren während dieser 4 Jahre an unterschiedlichen Orten und haben sich nun zufällig im Zentrum ‚La Passerelle‘ der Organisation ESGB wiedergetroffen. Beide wurden während dieser 4 Jahre immer wieder von neuem verkauft und sprachen selber davon, das sie ‚Geld wert sind‘ und verschiedene Leute viel Geld für sie im voraus bezahlt hätten (für mehrere Monate, für 2 Jahre, für 4 Jahre). Da die Mädchen immer wieder weglaufen oder sich auch absichtlich ‚schlecht‘ verhalten oder Dinge zerstören, werden sie von den ‚Hauseltern abgeschoben und gelangen so immer wieder in die Hände von Händlern, die sie wieder verkaufen. In den Haushalten werden sie häufig eingesperrt, müssen den ganzen Tag arbeiten, bekommen wenig zu essen und werden häufig geschlagen. Ihre kleinen, noch nicht entwickelten Körper tragen bereits zahlreiche Narben. Sie sind billige Arbeitskräfte und trauen sich nicht Ansprüche zu stellen. Sie sind häufig Gewalt ausgesetzt und in den schlimmsten Fällen auch sexuellem Missbrauch von älteren Jugendlichen, dem Hausherren oder auch Verwandten der Familie. Sie können sich nicht wehren und sind ihrem Schicksal ausgeliefert.

Die beiden Mädchen haben uns ‚haarsträubende‘ Geschichten erzählt, von ihren Reisen mit den Kinder-Händlern, von ihrem Verkauf, von ihren wechselnden ‚Hausherren‘, von der harten Arbeit von morgens bis abends, von Schlägen, die sie immer wieder beziehen und auch von dem, was sie sich ausgedacht haben, um ihren jeweiligen Hausherren Schaden zuzufügen – dies vor allem mit dem Hintergrund und der Hoffnung, dass diese sie zurück in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern schicken würden. Einmal hat dies bei einem der Mädchen auch funktioniert. Allerdings wurden sie bereits wenige Wochen später erneut nach Nigeria verkauft. In den verarmten Grenzdörfern zwischen Benin und Nigeria ist der Kinderhandel ein alltägliches Geschehen und allgemein auch wenig anstößig.
Eines der Mädchen erzählte, dass drei ihrer Geschwister ebenfalls irgendwo in Nigeria seien.Bei erneuten Fluchtversuchen gelangten die Mädchen, jede für sich, wieder nach Benin. Beide wurden von jemandem aufgelesen, der an ihrer Sprache erkannte, dass sie aus Benin stammen. Diese Leute haben sie mit nach Benin genommen und dort an die beninische Gendarmerie übergeben. Diese wiederum hat sie ins Kinderschutz-Zentrum ‚La Passerelle‘ unserer Partnerorganisation ESGB überwiesen, die in der Nähe der Heimatdörfer der Mädchen liegt. Die Mädchen sind - man kann es kaum glauben, wenn man ihre Geschichte hört – guten Mutes, wollen erzählen, was ihnen geschehen ist und reden manchmal wie Erwachsene. Sie suchen Hilfe und wollen im Grunde zu ihren Eltern zurück, haben aber dennoch Angst, dass diese sie wieder nach Nigeria verkaufen. Unsere Partnerorganisation sorgt z.Z. für die Mädchen, schult sie ein und kümmert sich um ihre psychologische und körperliche Gesundheit. Mit den Eltern wird Kontakt aufgenommen.


Ob die beiden Mädchen wieder in ihre Familien zurück gehen werden, ist noch nicht sicher, da erst sichergestellt werden muss, dass die Eltern sich um die Mädchen kümmern und sie nicht gleich wieder verkaufen.

Kinderrechte Afrika e.V. engagiert sich an der Seite seiner beiden beninischen Partnerorganisation ESGB und CIPCRE gegen derartigen Kinderhandel und unterstützt sie bei der Förderung dieser Kinder.

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