Globalprojekt - Mali
Entwicklung und Förderung eines Kinderrechte schützenden Umfeldes (insbesondere für Mädchen).
Kampf und Engagement gegen jegliche Formen von Gewalt, Missbrauch und sozialer Ausgrenzung, denen Kinder ausgesetzt sind: Kinder, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, Kinder, die ohne familiären Rückhalt aufwachsen müssen, junge Mütter in Notsituationen, Mädchen als Opfer sexueller und wirtschaftlicher Ausbeutung.
Beschreibung
Unser Engagement in:
Bamako, in den Regionen von Sikasso, Ségou, Mopti und San.
Unser Engagement für:
- 500 Kinder, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, bei der Polizeisondereinheit für Kinder und Jugendliche in Bamako, in den Polizeikommissariaten und Gefängnissen in den Regionen von Sikasso, Ségou, San und Mopti.
- 100 Kinder, die Opfer von Missbrauch und sozialer Ausgrenzung wurden.
- 250 minderjährige Mütter in Notsituationen in Bamako.
- 500 Mädchen, die ihre Heimatregion verlassen wollen, vor allem in Ségou und San.
- 80 Mädchen, die Opfer sexueller Ausbeutung wurden.
- Mitglieder der 27 Kinderschutzkomitees (Erwachsene und Jugendliche, etwa 200 Personen).
Sowie für:
- Eltern und Familien in 20 Dorfgemeinschaften.
- 150 Staatsbeamte (Polizei, Justiz und Sozialwesen).
- 60 Schulleiter- und –lehrer sowie Eltern von Schulkindern in den Gebieten von San, Ségou, Mopti und Sikasso.
- 160 Dorfchefs oder Religionsführer im Projektgebiet.
- 60 Journalisten in Bamako und die lokalen Sender im Projektgebiet.
- Mitarbeiter von Bice-Mali und seine Partner (andere Nichtregierungsorganisationen usw.).
- Gefährdete Kinder und Jugendliche.
Finanzierung:
Gesamtsumme des Projekts: EURO 840.000
Finanzpartner: Belgisches Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit, Caritas International.
Projektphase:
36 Monate, Beginn 01.07.2007
Allgemeines Ziel unseres Engagements
Der Status von und die Zukunftsperspektiven für Kinder(n), die Opfer von Gewalt, Missbrauch, sozialer Ausgrenzung und sexueller Ausbeutung wurden, haben sich dank der nachhaltigen Veränderungen im Bereich des Schutzes, der Förderung und der Durchsetzung ihrer elementaren Rechte ganz entscheidend verbessert.
Besondere Ziele unseres Engagements
- Der gesetzliche und institutionelle Rahmen (im Hinblick auf den Schutz von Kinderrechten) wird an internationale und nationale Rechtsnormen angepasst und bewirkt somit einen besseren Schutz für Kinder gegen jede Form von Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung (auf politischer Ebene).
- Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft wird organisiert und gefestigt und trägt zur Entwicklung und Stärkung eines Kinderrechte schützenden Umfeldes bei (auf der Ebene der Zivilgesellschaft).
- Die Lebensbedingungen für missbrauchte, vernachlässigte, mit dem Gesetz in Konflikt geratene Kinder oder Opfer von sexueller Ausbeutung wie auch ihre Zukunftsperspektiven werden durch die Durchsetzung ihrer elementaren Grundrechte tiefgreifend verbessert. (durch die Arbeit vor Ort).
Wesentliche Aktivitäten
- Verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Partnerorganisationen - u.a. mit dem Staat.
- Stärkung der Kompetenzen der Mitarbeiter und Partnerorganisationen.
- Allgemeine Verbreitung von Gesetzestexten.
- Verbesserung der Haftbedingungen.
- Angebot von alternativen Einrichtungen zur Haft für straffällig gewordene Kinder und Jugendliche.
- Schulung und Ausbildung der lokalen Kinderschutzkomitees zu Multiplikatoren.
- Angebot einer „Elternschule“.
- Sensibilisierung der Arbeitgeber von jungen Haushaltshilfen.
- Maßnahmen zur Vermeidung eines Massenexodus von Mädchen aus ihren Heimatregionen.
- Eröffnung eines Sozialzentrums, in dem Mädchen die Geburt ihres Kindes in einer beschützenden Atmosphäre erleben können und auf die Rückkehr in ihr Heimatdorf vorbereitet werden. (Grunderziehung, berufliche Ausbildung).
- Rechtsbeistand für sexuell missbrauchte Mädchen.
- Errichtung von lokalen Kinderschutzzentren in Ségou, San, Mopti und Sikasso.
- Psychosoziale Betreuung, Grunderziehung und Rechtsbeistand.
- Soziale Wiedereingliederung mit Starthilfe für bessere Erfolgschancen.
Fotos
Bei der offenen Sozialarbeit kommen wir immer wieder mit sogenannten »Talibé« – Koran Schülern – in Kontakt. Sie müssen sich ihren Unterhalt durch Betteln »erwirtschaften« und darüber hinaus oft einen beträchtlichen Obolus an ihre Lehrer abgeben. Wo immer möglich, setzt sich Kinderrechte Afrika e.V. für das Wohl dieser Kinder ein.
Anlaufstellen für Kinder in Ségou (Mali) am Busbahnhof. Hier ist der Dreh- und Angelpunkt, von dem aus die Mädchen in die Hauptstadt fahren bzw. ankommen. Die Anlaufstelle bietet Aufklärung und Information, aber auch konkrete Hilfe für Mädchen und Kinder in Not.
Ausgesetzt landete der kleine Issa auf einer Polizeistation. Mangels geeigneter staatlicher Unterbringungsmöglichkeit wurde Issa Bice-Mali (unserem Partner) übergeben. Im Kinderschutzzentrum fand er Hilfe und Zuwendung und konnte wieder ruhig schlafen. Inzwischen konnte auch eine Pflegefamilie für Issa gefunden werden.
Um den Mädchen eine neue Zukunftsperspektive zu geben, unterstützt Kinderrechte Afrika e.V. im Zentrum " un toit, une vie" (ein Dach, ein Leben) in Bamako ihre Fortbildung (hier rechts Nähausbildung). Ausbildungsbegleitend können die Mädchen an Alphabetisierungskursen teilnehmen, lernen schreiben, lesen und rechnen und erhalten notwendiges Grundwissen.
Kinderschicksale
Rokia erzählt:
„Ich heiße Rokia. Ich bin 14. Meine Eltern sind geschieden. Meine Mutter hat wieder geheiratet. Ich lebe bei ihr. Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt mehr. Seine neue Frau hat mir das Leben schwer gemacht.
Ich habe die Schule nach der vierten Klasse abgebrochen. Ich habe einen Kleinhandel am Busbahnhof in Bamako. Ich wurde beschuldigt, Kleider gestohlen zu haben. Aber ich habe nichts gestohlen. Ich habe eine Verkäuferin am Busbahnhof kennen gelernt. Wir sind Freundinnen geworden. Eines Tages kam sie mit einem Ballen Stoff. Als ich sie fragte, woher er stamme, sagte sie mir, dass er ihr gehöre und dass sie ihn bei ihrem Bruder in einem anderen Stadtviertel gelassen hätte. Dann ist sie verschwunden.
Am anderen Morgen kam sie nicht mehr zum Busbahnhof. Den nächsten Tag auch nicht. Ich dachte, dass sie vielleicht krank sei. Ich wollte sie besuchen und ging zu einer Freundin von ihr, die als Haushaltshilfe arbeitete, um Neuigkeiten von ihr zu erfahren. Ihre Arbeitgeberin erzählte mir, dass sie bestohlen worden sei und mich verdächtige. Meine Erklärungen wollte sie gar nicht hören. Sie brachte mich gleich zur nächsten Polizeistation. Dort wurde ich verhört und anschließend ins Gefängnis gebracht. Ich schwöre, dass ich nichts gestohlen habe. Ich weiß auch nicht, wo sich dieses Mädchen aufhält – meine Freundin ist das sicher nicht mehr.“
Da Rokia erst 14 Jahre alt ist und ein Kind erwartet, konnte Kinderrechte Afrika e.V. ihre Freilassung und ihre Überstellung in ein Zentrum für junge Mütter erreichen. Sie erhält dort eine Ausbildung und kann die Geburt ihres Kindes in einer behüteten Umgebung erleben.
Ein achtjähriger Junge, Opfer von Misshandlungen:
„Ich heiße Bouba. Ich bin 8. Ich komme aus Burkina Faso. Mein Vater ist Hirte. Er ist in Kimparana geblieben. Er brachte mich zu einem Koranlehrer nach Dà Fangasso. Der ist Junggeselle. Er wiederum brachte mich zu meinem Onkel nach Djéné. Er würde später wiederkommen, mich zu holen. Mein Onkel ließ mich hart arbeiten. Er schlug mich oft. Ich steuerte seinen Einbaum. Ich belud ihn mit Sand und setzte Leute und Waren von einer Seite des Flusses zur anderen über.
Ich bin zweimal mit meinem Onkel nach Fangasso zurückgekehrt, um meinen Vater zu suchen. Doch der blieb verschwunden. Mein Onkel brachte mich dann zur Polizeistation. Die Polizisten fuhren mit mir nach San. Dort wurde ich zum Sozialdienst gebracht. Nach erfolgloser Suche nach meinem Vater hat mich der Sozialdienst ins Kinderschutzzentrum von Bice* überstellt.“
*Bice-Mali ist unser afrikanischer Partner in Mali
Eine junge Haushaltshilfe im Bice Kinderschutzzentrum:
„Ich heiße Mariam. Ich bin 14. Ich komme aus einem Dorf in der Region Koulikoro. Ich habe mein Dorf verlassen, um für meine Mitgift in Bamako zu arbeiten. Ich habe Ingwersaft auf dem Markt verkauft. Dort habe ich einen jungen Mann kennen gelernt. Nach einiger Zeit bin ich in mein Dorf zurückgekehrt.
Als ich nach Bamako zurückkam, habe ich mich weiter mit diesem jungen Mann getroffen. Er war Schuhverkäufer auf dem großen Markt von Bamako. Ich arbeitete als Haushaltshilfe in Niarela. Ich wurde schwanger und erzählte meinem Partner von der Schwangerschaft. Am Anfang kam er ab und zu vorbei, um nach mir zu sehen.
Ich bekam mein Kind im Haus meiner Arbeitgeberin. Den Vater des Kindes habe ich nicht informiert. Ich wollte meinem Kind nicht die Brust geben. Meine Arbeitgeberin hatte Angst, dass ich das Kind töten würde. Sie fragte mich, ob ich Verwandte in Bamako hätte, was ich verneinte. Sie brachte mich zur Sondereinheit der Polizei für Kinder und Jugendliche. Von dort kam ich dann ins Bice* Kinderschutzzentrum.“
Nach einigen Tagen im Zentrum kamen eine alte Frau und ihr Sohn sie besuchen. Die alte Frau ist ihre Großmutter. Sie vermietet Zimmer in Bamako. Mariam hat ihnen erklärt, dass sie Angst gehabt habe, sie zu benachrichtigen, weil dann ihre Eltern von ihrem Zustand und der Schwierigkeiten, in dieser Situation in ihr Dorf zurückzukehren, erfahren hätten.


