Schutz gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen

Projektbeschreibung

Aufbau eines Kinderrechte schützenden Umfelds zur Prävention von sexueller Gewalt, besonders an Mädchen, und zur Rehabilitation und Wiedereingliederung von Opfern.

Das Projekt zielt auf die Stärkung und Verwirklichung von Kinderrechten ab, mit maßgeblichem Fokus auf den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern - besonders von Mädchen. Sexueller Missbrauch in familiärem und schulischem Milieu ist ein häufig vorkommendes Phänomen, aber in der beninischen Gesellschaft ein Tabu-Thema. Das Projekt fördert die Realisierung vor allem von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten (wsk-Rechte) von Kindern in der Interventionszone. Dabei geht es in besonderem Maße um die Rechte auf Schutz, Gesundheit und Bildung/Ausbildung. Es werden aber auch grundsätzliche menschenrechtliche Prinzipien gefördert, wie z.B. Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit sowie Empowerment und Partizipation von Mädchen. Der Respekt und die Einhaltung dieser Kinder- und Menschenrechte werden als eine unabdingbare Voraussetzung für Entwicklung und Armutsbekämpfung angesehen und wirken der traditionellen Genderbenachteiligung von Mädchen und Frauen entgegen.

Region:
Departements Ouémé im Süd-Osten des Landes.

Zielgruppe:
zivilgesellschaftliche Gruppen (NRO, lokale Gruppen, religiöse Gemeinschaften, Elternvereine), lokale Würdenträger, Handwerker, Medienvertreter, Beamte, Vertreter von Kommunalräten, Kontakt-/Vertrauenspersonen (Erwachsene und Kinder), Kinder und Jugendliche, mit besonderem Focus auf Mädchen.

Kontext

Formen von Gewalt und Misshandlung:
In den Projektregionen kommen verschiedene Formen der Gewalt vor; zu den häufigsten zählen die Zwangsheirat, Misshandlungen und Gewalt an Kindern und Frauen sowie das Levirat (Ehe einer Witwe mit dem Bruder ihres verstorbenen Mannes).

Gewalt und Missbrauch (erst recht sexueller Missbrauch) vor allem an Frauen und Mädchen werden nicht offen ausgesprochen. „Das schlimmste ist das Gesetz des Schweigens, das es nicht erlaubt, solche Taten in der traditionellen Gesellschaft Benins zu denunzieren – und selbst wenn einer NRO, die sich für Kinderrechte einsetzt, ein Fall zu Ohren kommt, dann sind es die Opfer selber, die nicht wollen, dass die Schuldigen bestraft werden.“ schreibt ESG in seinem Antrag. Spricht man die Thematik hingegen bei den einschlägigen Ministerien, staatlichen Diensten und nationalen und internationalen Fachorganisationen an, wird betont, dass der sexuelle Missbrauch sehr häufig vorkommt, aber ‚tabu‘ in der beninischen Gesellschaft ist. Abschließend schreibt ESGB: „Die Probleme der Gewalt in Familien stellen also eine Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Es handelt sich für uns darum, Mittel und Wege zu finden, um sich diesem Problem zu stellen bzw. diesen Brauch abzuschwächen und aufzulösen.“

Eine weitere beninische Tradition ist die ‚Weggabe‘ eines Kindes im Alter von 4-15 Jahren, im Einverständnis mit den Eltern. Die Kinder werden meist an Familienangehörige in der Stadt gegeben mit dem Versprechen, dass es die Kinder in der Stadt besser haben werden, eine Schulausbildung und später auch eine Berufsausbildung bekommen. Die Realität sieht meist anders aus: die Kinder – vor allem Mädchen – arbeiten in den Haushalten, werden körperlich an ihre Grenzen gebracht, sind schlecht ernährt, haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, haben keine Freizeit und keine Freunde und sind häufig Schlägen, Misshandlungen und Gewalt von Seiten der Gastfamilie ausgesetzt.

In den schlimmsten Fällen geht dies bis zum sexuellen Missbrauch durch die jungen Männer, den Hausherren oder andere männliche Verwandte (Onkel) der Familie. Diese traditionelle Form der gegenseitigen familiären Unterstützung (besser gestellte Familien nehmen Kinder ihrer armen Verwandten auf) ist in den letzten Jahren besonders in Benin in Verruf geraten. Durch die zunehmende Armut werden Kinder für Geld weggegeben und so regelrecht verkauft (Kinderhandel). Dem setzt schließlich die Thematik des bewussten Verkaufs von Mädchen für sexuelle Belange die Krone auf. Dies ist ein Phänomen, das erst in den letzten Jahren thematisiert wird und mit dem sich die Studie von CIPCRE Benin im Jahre 2008 beschäftigte.

Zwangsheirat von Mädchen zwischen 12-14 Jahren kommt im Süden Benins immer noch sehr häufig vor. Die versprochenen Männer sind häufig im Alter der Väter. Die Männer fangen schon früh an, eine Mitgift an die Familie der zukünftigen Frau zu zahlen und sobald das Mädchen seine erste Menstruation hat, wird es gegen seinen Willen und häufig mit physischer Gewalt von seinem zukünftigen Mann abgeholt. Manche Mädchen, die ihr Schicksal kennen (bei weitem sind nicht alle Mädchen im Vorhinein informiert), laufen von zu Hause weg und landen auf den Straßen der großen Städte. Aus Angst brechen sie jegliche Verbindung mit der Familie und der Heimat ab und sind häufig dem Leben auf der Straße ausgesetzt. Die Bevölkerung ist mit diesem Brauch vertraut, erlebt auch die Gewalt und den Zwang, der Mädchen angetan wird, schreitet aber nur selten ein, auch wenn es in den letzten Jahren vermehrt nationale NRO gibt, die dieser Tradition den Kampf angesagt haben.

Ein spezifisches und zunehmend auftretendes Thema ist die sexuelle Gewalt gegenüber Schülerinnen. Sie äußert sich auf verschiedene Arten, von der Benutzung einer demütigenden und erniedrigenden ‚Sexualsprache‘ gegenüber den Mädchen, über handgreifliche sexuelle Belästigungen bis hin zur Vergewaltigung. Allgemein finden sexuelle Beziehungen häufig aus ökonomischen Gründen statt, erzwungen oder in gegenseitiger Übereinstimmung (sexuale Ausbeutung); im Rahmen der Schulen sind hingegen gute Noten bzw. eine Versetzung in die nächste Klasse das ‚Tauschgeld‘.

Für viele Mädchen hat dies direkte Auswirkungen: sie gehen ungern zur Schule, sind unkonzentriert im Unterricht oder benutzen Ausreden, um zu Hause bleiben zu können. Die Noten werden schlechter, und letztlich bietet sich für eine ausreichende Note bzw. die Versetzung doch nur die Möglichkeit, für den Lehrer Dienstleistungen jeglicher Art zu erbringen. Die Abhängigkeit vom Lehrer, ungleiche Machtverhältnisse und der kulturelle Kontext machen es den Mädchen sehr schwer, die Situation anzusprechen, obwohl eine Grenze überschritten wird, die traditionell nicht akzeptabel ist. Der gesellschaftliche ‚Ausweg‘ ist derzeit, dass sexueller Missbrauch von Mädchen in den Schulen ein ‚Tabu-Thema‘ ist. Einem Mädchen, das dies anprangern würde, würde man nicht glauben. Im besten Fall wird eine ‚interne‘ Lösung zwischen Lehrer und Familien gesucht. Juristische Schritte wie eine Anzeige und die Strafverfolgung des Täters kommen nicht in Frage.

Die Konsequenzen für die Schülerinnen sind weitreichend und haben Folgen für ihr ganzes Leben: sie reichen von einer nicht abgeschlossenen Schulausbildung, über gesundheitliche Aspekte (Geschlechtskrankheiten, HIV/AIDS), ungewollten und verfrühten Schwangerschaften bis hin zu psychologischen Schwierigkeiten und Traumata. All diese Faktoren führen zu einer gesellschaftlichen Diskriminierung oder im Extremfall zum gesellschaftlichen Ausschluss. Folge ist nicht selten, dass die Mädchen weglaufen und ihr Glück in den Großstädten suchen, wo sie sich als Haushaltsmädchen betätigen oder auf der Straße leben und ähnlichen Gefahren ausgeliefert sind.

Ziel

Das Projekt hat als Zielsetzung den Aufbau eines Kinderrechte schützenden Umfeldes in der Projektregion, unter besonderer Beachtung des Schutzes von Mädchen. Dies umfasst eine breit angelegte Präventionsarbeit, aber auch den Aspekt des Schutzes von Mädchen, die bereits Opfer sind oder in einem gefährdenden Umfeld leben.

Lokale Partner

Das zweijährie Projekt soll mit zwei beninischen Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) – CIPCRE Benin und ESGB/‘La Passerelle‘- durchgeführt werden (2011-2012).

Bei der Auswahl der Partnerorganisationen legt Kinderrechte Afrika e.V. ein besonderes Augenmerk auf die institutionelle Ethik der Partnerorganisationen, bei der es uns wichtig ist, dass der Partner ein unbedingtes und ehrliches Engagement für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat, ein Grundverständnis der Eigenverantwortung für die Entwicklung seines heimatlichen Umfelds mitbringt sowie die Leistung eines Eigenbeitrags im Rahmen seiner Möglichkeiten als selbstverständlich betrachtet.

Die beiden Partnerorganisationen liegen räumlich nur wenige Kilometer auseinander, arbeiten z.T. in der gleichen Projektregion, haben aber verschiedene inhaltliche Schwerpunkte. Dementsprechend besitzen sie sehr unterschiedliche Kompetenzen und können sich für ihre jeweiligen Fachgebiete gegenseitig ergänzen, ohne Konkurrenten zu sein.

Dies ist als eine Stärke des Projektes anzusehen, da dadurch verschiedene fachliche Schwerpunkte abgedeckt werden und die Ganzheitlichkeit der Projektinhalte bzw. konkret eines ‚schützenden Umfeldes für gefährdete bzw. betroffene Mädchen‘ in der Projektregion erreicht werden kann.

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