Benin: Förderung eines schützenden familiären Umfeldes für Kinder

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Projekttitel: Förderung der elterlichen Verantwortung und Schaffung eines schützenden Umfelds für Kinder im Department Ouémé, Benin, die Opfer von Konflikten zwischen ihren Eltern geworden sind.


Projektregionen: Departement Ouémé in Benin


Laufzeit: 01.01.2017 – 31.12.2019.

 

Lokaler Projektpartner: ESGB Benin (Espace Solidarité Globale Bénin)

Ausgangssituation

Bei ihrer Arbeit mit Kindern in Notsituationen und deren familiären Wiedereingliederung haben die Sozialarbeiter(innen) unserer beninischen Partnerorganisation ESGB festgestellt, dass schwerwiegende Trennungskonflikte zwischen Eltern oft ursächlich für die Notsituation der Kinder sind.

 

Jedes vierte Kind in Benin lebt derzeit nicht bei beiden Eltern, auch wenn diese am Leben sind, sondern oft bei einem Elternteil und der Stieffamilie. Konflikte zwischen sich trennenden Eltern sind dabei teilweise so gewalttätig, dass die Kinder, die diese miterleben, traumatisiert werden und von Zuhause weglaufen. Ohne Schutz und familiären Halt finden sie sich auf der Straße wieder, wo sie leicht Opfer von Missbrauch, Entführung, Freiheitsberaubung, Frühschwangerschaften oder Früh- und Zwangsehe werden. Viele von ihnen arbeiten auf den Märkten, wobei sie von ihren Arbeitgeber(inne)n oft ausgebeutet werden. Ein Großteil der Kinder, die auf den Märkten im Departement Ouémé arbeiten, ist unter 14 Jahre alt, viele sogar unter 10. Auffällig ist der hohe Anteil an Mädchen (knapp 80%). Diese Kinder tragen ein hohes Risiko, körperliche und psychische Langzeitschäden von der schweren Arbeit davon zu tragen.

 

Die kritische Situation der Kinder, die ein strukturelles Ausmaß annimmt, hat ESGB und Kinderrechte Afrika e. V. alarmiert und dazu bewegt, sich in dieser Problematik zu engagieren. In diesem Projekt werden Kinder, die in Not geraten sind, medizinisch versorgt, psychosozial begleitet und bei ihrer familiären und schulischen oder beruflichen Wiedereingliederung mit Starthilfen unterstützt. Zudem bietet ESGB Familienmediationen an, die verhindern sollen, dass Kinder aufgrund elterlicher Konflikte in Not geraten.

Kind vernachlässigt Benin Dieser Dreijährige schlägt sich auf dem Markt in Porto Novo durch, seitdem sich die Eltern getrennt haben und sich keiner von beiden für ihn zuständig fühlt.

Projektziele

  • 5.000 Kinder, die von Trennungskonflikten ihrer Eltern betroffen oder gefährdet sind und dadurch in existentielle Schwierigkeiten geraten, können wieder auf einen sicheren Familienkontext zurückgreifen, in dem sie und ihre elementaren Rechte geschützt werden.
  • Mehr als 300 staatliche und zivilgesellschaftliche Verantwortliche sowie engagierte Gruppen für den Kinderschutz kennen die rechtlichen Bestimmungen und Rechte der Kinder bei Trennungskonflikten der Eltern und setzen sich aktiv für die Beachtung der Rechte von Kindern ein.
  • Die Mediation zwischen Eltern, die sich in Trennungskonflikten befinden, wird von staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Verantwortlichen eingesetzt und von den Eltern akzeptiert.
  • Eltern, die sich in Trennung befinden, treffen eine klare und formalisierte Vereinbarung für eine gesicherte Zukunft ihrer Kinder, in der deren Rechte geachtet werden.
Familienrückführung Benin Kinder sollen wieder in einem familiären Umfeld geschützt und gefördert werden.

Zielgruppen

Direkte Zielgruppen:

  • 2.300 Kinder, die von Trennungskonflikten ihrer Eltern betroffen sind (2.000 im offenen Milieu und 300 im Kinderschutzzentrum)
  • 2.700 Kinder, die gefährdet sind, durch Trennungskonflikten ihrer Eltern in Not zu geraten (100/Jahr/Kommune)
  • 2.000 sich in Trennung befindliche Elternpaare

 

Als Mittler:

  • 86 Vertreter(innen) dezentraler staatlicher Dienste
  • 18 Vertreter(innen) von zivilgesellschaftlichen Organisationen (2/Kommune)
  • 288 Vertreter(innen) von 9 Berufsverbänden
  • 156 Mitglieder lokaler Kinderschutzkomitees
  • 40 traditionelle Würdenträger
  • 8 Radiomoderator(inn)en

Maßnahmen

  • Stärkung der Kompetenzen und Mobilisierung von 144 staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren des Kinderschutzes auf kommunaler Ebene
  • Gründung bzw. Reaktivierung, Kompetenzstärkung und Begleitung von insgesamt 52 lokalen Kinderschutzkomitees in 9 Kommunen
  • Produktion und Verbreitung einer Broschüre und Tonträgern zu den rechtlichen Grundlagen der elterlichen Verantwortung auf Französisch, Goun und Yoruba (insgesamt 2.200 Exemplare)
  • Redaktion, Druck und Verbreitung von 2.200 Exemplaren, Produktion und Verbreitung von Tonträgern
  • Sensibilisierung von Handwerker/innen und Auszubildenden in 9 Kommunen (besonders gefährdete Milieus)
  • Produktion und Ausstrahlung von 864 interaktiven und sensibilisierenden Radiosendungen (davon 288 in Lokalsprachen)
  • Gründung und Einrichtung von 9 Anlaufstellen zur psychosozialen und rechtlichen Beratung in den Projektkommunen (zur Durchführung der Familienmediationen)
  • Spezifische Mediationsangebote in den Kommunen für Elternpaare im Trennungsprozess
  • Spezifische Mediationen für 1.000 Kinder von getrenntlebenden Eltern zur Wiederherstellung des Kontakts mit dem anderen Elternteil: Familienrecherche, Mediation, psychologische Beratung und Nachbetreuung
  • Spezifische Mediationen zur Wiedereingliederung von 2.000 Kindern, die nach Trennung ihrer Eltern auf der Straße leben
  • Aufnahme, Stabilisierung und Wiedereingliederung von 300 Mädchen mit Gewalterfahrungen

Finanzierung

Projektkosten: 533.500 €

 

Finanzpartner:

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ)
  • Sternstunden
  • Kinderrechte Afrika e. V. (Spenden)
  • Villa Comnius e. V.

 

Zur Versorgung der Kinder und Deckung der laufenden Kosten im Zentrum sowie zur Unterstützung der Projektaktivitäten, sind wir auf weitere Spenden angewiesen.

Das modellhafte Kinderschutzzentrum "La Passerelle"

Das Kinderschutzzentrum „La Passerelle“ von ESGB in Benin fängt Mädchen auf, die Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt und Ausbeutung, Vernachlässigung, Kinderhandel oder Ausgrenzung erfahren haben. Im Zentrum erhalten sie Schutz und Förderung, darunter medizinische, rechtliche, psychosoziale und pädagogische Begleitung. Sie werden auf ihre familiäre Wiedereingliederung vorbereitet sowie eingeschult oder in eine Ausbildung vermittelt. Nach der Rückkehr in ihre (Groß-)Familie werden die Mädchen dort nachbetreut.

Was ist aus den von ESGB betreuten Kindern geworden?
Eine Evaluierung der Betreuungsarbeit im Vorgängerprojekt mit ESGB (Zusammenfassung):
MA Evaluierung der Betreuungsarbeit und [...]
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Sunny, 6 Jahre, vernachlässigt und grausam misshandelt.

 

Sunny (Name geändert) wuchs mit ihren 6 Geschwistern bei ihrem Vater auf. Dieser war sehr streng und schlug die Kinder oft. Auch gab er ihnen nicht täglich etwas zu essen, sodass sie oft großen Hunger hatten. Manchmal aßen sie bei den Nachbarn, wenn sie mit deren Kindern spielten. Doch das reichte nicht und ab und zu klaute Sunny Essen. Als ihr Vater davon erfuhr, beschimpfte, schlug und bedrohte er sie. Er machte ein Feuer und hielt ihre Hände hinein. Ihren Bruder zwang er, Sunnys Hände festzuhalten und verbrannte mit einem glühenden Holzscheit, die Seiten der Hände, wo die Haut noch nicht verbrannt war. Sunny schrie, aber er hörte nicht auf. Ein Nachbar hörte sie schreien und kam herüber. Er nahm Sunny mit ins Krankenhaus, wo ihre Hände behandelt wurden. Zunächst wurde Sunny in ein Kinderheim gebracht. Aber Fliegen begannen, ihre Wunden zu infizieren, sodass sie eiterten. Schließlich kam Sunny ins Zentrum "La Passerelle" von ESGB, wo sie besser versorgt werden und sie das Erlebte besser verarbeiten konnte. Dort geht sie nun in den Kindergarten, eine Erzieherin begleitet sie ins Krankenhaus, sie wird fürsorglich betreut und sie kann sich endlich satt essen.

Titelbild: Viele der Kinder, die in Benin auf den Märkten leben und arbeiten, sind durch Familienkonflikte auf der Straße gelandet. Das Mediationsangebot von ESGB soll helfen, das Phänomen einzudämmen.

© Elisabeth Munsch/ Kinderrechte Afrika e. V.

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