berufliche Integration fördert Selbstvertrauen und Lebensperspektiven
berufliche Integration fördert Selbstvertrauen und Lebensperspektiven
 

Kamerun: Schutz vor sexueller Gewalt, Ausbeutung, Kinderhandel sowie sexistischer Diskriminierung

 

 

 

Region: West-, Nordwest- und Zentralregion


Laufzeit: 01.01.2015 – 31.12.2017


Lokaler Partner: CIPCRE Kamerun in den Regionen West, Nord-West und Zentral

Ausgangssituation

 

Im Alltag von Frauen und Kindern in Kamerun spielen sexuelle Diskriminierungen und Gewalterfahrungen eine große Rolle. Im Rahmen einer ersten Projektphase konnte innerhalb der Bevölkerung, bei Behörden und bei Entscheidungsträger(innen) ein Bewusstsein für diese Phänomene geweckt werden. Diese werden jedoch weiterhin durch verschiedene Faktoren auf rechtlicher und soziokultureller Ebene begünstigt:

  • ungeeignete und unzureichende Gesetze, die zudem nicht angewandt werden,
  • bestehende Vorurteile wie auch Tabuisierungen in diesem Bereich,
  • schädliche kulturelle Praktiken wie Früh- und Zwangsehen oder außergerichtliche Einigungen, welche die Rechte der betroffenen Kinder missachten.

 

Auch die Begleitung der Betroffenen gestaltet sich aufgrund fehlender, inadäquater und oft unkoordinierter Betreuungs- und Begleitungsangebote nach wie vor sehr schwierig.

Projektziel

 

Kinder, die von sexueller Diskriminierung oder Gewalt bedroht oder betroffen sind, werden bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und ihrer Rehabilitierung durch ihre Sozialgemeinschaften und Gemeinden sowie einen adäquaten juristischen und institutionellen Rahmen unterstützt.

  • Der Schutz von Kindern hat sich dadurch nachhaltig verbessert, dass schädliche kulturelle Praktiken und sexuelle Gewalt in der Gesellschaft nicht mehr tabuisiert, sondern auf allen Ebenen zur Anzeige gebracht werden.
  • Kinder werden in Schulen, Einrichtungen des Hotel- und Gaststättengewerbes sowie in öffentlichen Diensten durch einen dort eingeführten Verhaltenskodex geschützt, der öffentlich aushängt.
  • Kinder sind durch ein Gesetz, welches mit den von Kamerun ratifizierten internationalen Normen und Standards in Einklang steht, vor sexueller Gewalt geschützt.
  • Für Kinder, die Opfer sexueller Gewalt wurden, haben sich der Zugang zur Justiz und die Bedingungen für das Stellen einer Strafanzeige verbessert.
  • Kinder werden bei der Durchsetzung ihrer Rechte von lokalen Führungsautoritäten und der Zivilgesellschaft unterstützt, welche die gesetzlichen Vorschriften im Bereich des Kinderschutzes kennen und anwenden.
  • Betroffene Kinder haben in den Gemeinden Zugang zu Informationen sowie zu psychosozialer und medizinischer Betreuung, die anerkannten Standards entspricht.
  • Sie profitieren von funktionalen und berufsgruppenübergreifenden Kooperationen im Bereich des Opferschutzes auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene.

Zielgruppen

 

  • ca. 2.000 Kinder, die sexuelle Diskriminierung oder Gewalt erlebt haben
  • 1.750 jugendliche Führungspersönlichkeiten
  • 25.000 weitere Kinder und Jugendliche
  • 10.000 Eltern und 100 bedürftige Familien betroffener Kinder
  • 1.251 Mitglieder lokaler Kinderschutzkomitees
  • 750 religiöse und traditionelle Würdenträger
  • 50 Betreiber(innen) von Hotels und Gaststätten
  • 30 zivilgesellschaftliche Organisationen
  • 10 Zeichenclubs
  • ca. 60 Einrichtungen, Institutionen, Behörden
  • 60 Medienvertreter(innen)
  • 10 lokale Radiosender
  • 62 Regionalverantwortliche für Grund-/Sekundarschulbildung sowie Polizei und Justiz
  • 1.400 Schulleiter(innen) und Lehrkräfte
  • 125 Justiz-, Polizei- und Sicherheitskräfte,
  • 417 Stadt- und Gemeindeviertelverantwortliche
  • 10 Ombudspersonen
  • 80 Parlamentsabgeordnete
  • 300 Verwaltungsverantwortliche.

Projektmaßnahmen

  • Schulung von jugendlichen und erwachsenen Führungsautoritäten
  • Förderung einer verantwortungsvollen Elternschaft
  • Fachbegleitung der kommunalen Präventionsnetzwerke
  • Herstellung von Informationsmaterialien für die Präventionsarbeit
  • Förderung von sicheren Schulen für Kinder (frei von Gewalt)
  • Einführung und Umsetzung eines Verhaltenskodexes in Einrichtungen des Hotel- und Gaststättengewerbes
  • Advocacy-Arbeit bei den Entscheidungsträgern für eine Verabschiedung der vorgeschlagenen Gesetzesreform
  • Stärkung der Kompetenzen von Akteuren der Justiz- und Strafverfolgungsbehörden
  • Rechtliche Beratung und Vertretung von Betroffenen
  • Stärkung kommunaler Kinderschutzmechanismen
  • Weiterbildung lokaler Führungsautoritäten zu den gesetzlichen Grundlagen des Kinderschutzes
  • Einbindung lokaler Verwaltungsbehörden in den Kinderschutz
  • Einrichtung von Anlaufstellen für die Begleitung von Betroffenen
  • Medizinische und psychologische Betreuung der Betroffenen
  • Unterstützung der Opfer für eine erfolgreiche Wiedereingliederung
  • Unterstützung hilfsbedürftiger Familien von Betroffenen
  • Organisation von Begegnungen zwischen Betroffenen
  • Aufbau und Stärkung lokaler Kooperationen
  • Stärkung der nationalen Zusammenarbeit
  • Stärkung der regionalen Zusammenarbeit
  • Regelmäßige Beteiligung an regionalen und nationalen Sitzungen und Veranstaltungen der verschiedenen Netzwerke im Bereich Kinderrechte, Kinderhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und sexistischen Diskriminierungen
  • Beteiligung an einem internationalen Süd-Süd Austausch zur Thematik

Finanzierung

Projektkosten: ca. 540.800 Euro

 

Finanzpartner:

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ)
  • Kinderrechte Afrika e.V. (Eigenmittel, d.h. Spenden)

 

Für dieses Projekt suchen wir noch weitere Finanzpartner!

Lianes Geschichte

Die 17-jährige Liane wurde von einem Unbekannten vergewaltigt. Sie wurde schwanger und hat einen Jungen zur Welt gebracht. Sie erzählt:
"Ich bin so dankbar, dass es CIPCRE gibt für Mädchen wie mich. Nach all dem Unglück, dass mir widerfahren ist, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass es für mich noch einmal eine Chance gibt. Ja, ich habe trotz allem Glück gehabt, wenn ich an die vielen anderen Mädchen denke, denen so etwas passiert ist und denen niemand hilft. Nach der Geburt meines Kindes musste meine Mutter die Rechnung des Krankenhauses bezahlen. Sie war sehr hoch. Ich hatte nämlich einen Kaiserschnitt. Sie hat begonnen, im Krankenhaus zu arbeiten, da wir das Geld nicht hatten. Sie hat drei Monate lang den Boden im Krankenhaus geschrubbt. CIPCRE hat mir geholfen und hat mich dann unterstützt, eine Ausbildung zu beginnen. Ich möchte Dekorateurin werden. Vorher habe ich viel von CIPCRE gelernt. Ich weiß jetzt, wie ich mich künftig besser schützen kann vor sexueller Gewalt und ich kann in der Öffentlichkeit darüber reden, was mir passiert ist, damit andere daraus etwas lernen können, vor allem Mädchen, denen so etwas droht. Ohne Hilfe von CIPCRE wäre ich irgendwo im Busch, verlassen und verloren."

Titelbild: Berufliche Integration: Diese vier von CIPCRE betreuten Mädchen konnten nach ihrer Ausbildung eine gemeinsame Schneiderei eröffnen. Für Stickereien engagieren sie einen Mitarbeiter. Durch die berufliche Selbstständigkeit gewinnen die Mädchen an reellen Einkommensperspektiven, Selbstvertrauen und gesellschaftlicher Anerkennung. © Elisabeth Munsch/ Kinderrechte Afrika e. V.

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