Kinderrechte Afrika e.V.; Bamako; Mali
Kinderrechte Afrika e.V.; Bamako; Mali
 

Mali: Grundrechte für minderjährige, oft ausgebeutete Haushaltshilfen

Projekttitel: Verbesserung der Situation und des Status minderjähriger Haushaltshilfen


Projektgebiet: Bamako


Lokaler Projektpartner: GRADEM Mali


Laufzeit: 1.1.2016 – 31.12.2018

- Bericht zur Begleitung des Projektstarts

Ausgangssituation

 

Für unverheiratete Mädchen unserer Projektregionen Ségou und Koulikoro ist die Beschäftigung als ungelernte Haushaltshilfe in der Stadt oft die einzige Perspektive, ihre eigene Aussteuer zu verdienen oder ihre Familien mit Geld zu unterstützen. Viele Mädchen, auf dem Weg in die Stadt, sind erst 12 Jahre alt. 2009 war in 288.176 Haushalten in Bamako mindestens ein minderjähriges Mädchen als Hilfe beschäftigt.

 

In der Stadt schuften die Mädchen oft unter prekären Arbeitsverhältnissen. Grundlegende Arbeitnehmerrechte werden ihnen verwehrt, wie etwa ein Minimum an sozialer Sicherung, geregelte Arbeitszeiten oder Anspruch auf einen freien Tag pro Woche, geschweige denn Urlaub.

 

Die wirtschaftliche Ausbeutung der Mädchen geht in ca. 50% der Fälle mit sexuellem Missbrauch oder Gewalt einher. Ihre Ausbeutungssituation wird verstärkt, da sie ihre Rechte nicht kennen und ihnen ein soziales Umfeld fehlt. Erwarten die Mädchen ein Kind, so sind sie auf sich allein gestellt.

Projektziel und Zielgruppe

 

Mädchen, die in die Stadt gehen, um dort als Haushaltshilfen zu arbeiten, sollen informiert, begleitet, ausgebildet und geschützt werden.

 

Ein besonderes Anliegen ist dabei, die Konvention C189 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte umzusetzen.

 

Konkret sollen bis Projektende 240 in Bamako als Haushaltshilfen arbeitende Mädchen (ab 15 Jahren):

  • über eine hauswirtschaftliche Grundausbildung verfügen,
  • in einer ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen respektierenden Anstellung sein und
  • sich gegen Übergriffe seitens ihrer Arbeitgeber zur Wehr zu setzen wissen.

 

Die Mädchen sollen einerseits auf ihre (künftige) hauswirtschaftliche Tätigkeit vorbereitet und mit den hierfür notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten ausgestattet werden. Nur so können sie den Anforderungen genügen, die in den jeweiligen Haushalten diesbezüglich an sie gestellt werden und ein entsprechend angemessenes Gehalt fordern. Andererseits sollen die Mädchen über ihre Rechte und Pflichten als Arbeitnehmerinnen aufgeklärt und dazu ermutigt werden, diese – ggf. mit entsprechender Unterstützung – geltend zu machen bzw. durchzusetzen.

 

Zudem werden 250 wirtschaftlich (und oft auch sexuell) ausgebeutete Mädchen stabilisiert und in ein schützendes familiäres Umfeld wieder eingegliedert und (wieder) eingeschult. Wenn sie noch unter 15 Jahre alt sind, haben sie nach nationalem und internationalem Recht das Mindestalter zum Arbeiten noch nicht erreicht und müssen besonders vor Ausbeutung und Überlastung geschützt werden. Unter den von GRADEM betreuten und begleiteten Mädchen befinden sich auch schwangere und junge Mütter in Notsituationen, die ebenfalls spezifische Unterstützung benötigen.

 

Insgesamt werden 1.840 von wirtschaftlicher Ausbeutung gefährdete und betroffene Mädchen über ihre Rechte, Schutzmechanismen und Hilfsangebote aufgeklärt.

 

Großvermieter(innen), Arbeitgeber(innen), Kinder- und Jugendschutzbeauftragte staatlicher (Fach-)Dienste, Fachministerien und dezentrale Dienste, Vertreter(innen) von Kinderrechtssorganisationen sowie Medien werden in die Aktivitäten eingebunden, um einen umfassenden Kinderschutz auf staatlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene zu erreichen.

Projektmaßnahmen

 

Gemeinsam mit unserem Projektpartner GRADEM bieten wir schwangeren Mädchen und minderjährigen Müttern in Notsituationen Schutz und Obdach in unserer Kinderschutzeinrichtung „Bamunan“ (Hoffnung und Leben). Wir begleiten die Mädchen während der Schwangerschaft und Geburt medizinisch, betreuen sie psychosozial und vermitteln ihnen Kenntnisse in der Säuglingspflege. Mädchen in der Einrichtung haben außerdem die Möglichkeit, sich im Schneiderhandwerk, der Seifenproduktion oder Hauswirtschaftslehre ausbilden zu lassen.

 

Wir bieten Mädchen, die wirtschaftlich ausgebeutet wurden, Rechtsbeistand an und unterstützen junge Mütter bei der Ausstellung von Geburtsurkunden. Unser Ziel ist es, nachhaltig ausreichend rechtlichen Bezug zu international geltenden Mindestnormen bezüglich des Arbeitsschutzes und der Kinderrechte herzustellen. Das heißt, wir tragen für Mali bereits bestehende Schutzrechte von Minderjährigen sowie Arbeitnehmerrechte zusammen und verbreiten diese u.a. über Radiosendungen in den ländlichen Projektregionen.

Finanzierung

 

Projektkosten: 848.335 Euro

 

Finanzpartner:

  • Europäische Komission
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Globus-Stiftung
  • Kinderrechte Afrika e. V. (Eigenmittel, d.h. Spenden)

Agas Geschichte

Ich heiße Aga, bin 17 Jahre alt. Ich komme aus der Region Koulikoro. Meine Eltern haben mich schon als kleines Mädchen mit einem Mann verheiratet. Ich kannte den Mann nicht. Er hat mich schlecht behandelt, mich beschimpft und oft geschlagen. Ich habe ein Kind von dem Mann bekommen. Er hat gesagt, das Kind sei nicht von ihm. Eines Tages bin ich auf den Markt in ein benachbartes Dorf gegangen. Von dort bin ich nach Bamako geflohen.

 

Seit drei Jahren bin ich jetzt in Bamako. Ich habe zuerst Wasser und Kleidung auf dem großen Markt verkauft; dann habe ich in einem Haushalt gearbeitet. Dort wurde ich wieder schwanger.

 

Nach der Geburt des Babys wollte mich keiner mehr als Haushaltshilfe. Ich bin wochenlang umhergelaufen. Irgendwann hat mich eine alte Frau auf der Straße gesehen. Sie fragte mich: Willst du bei mir arbeiten? Sie verkaufte Essen auf dem Markt von Sikoroni. Ich war einige Monate bei der Frau.

 

Aber mein Kind wurde oft krank. Man erzählte mir von einem alten Mann, der Kinder heilt und auf dem Berg wohnt. Also bin ich mit meinem Kind zu ihm gegangen. Der Alte wollte, dass ich mein Kind bei ihm lasse und am nächsten Tag wiederkomme. Ich habe mich geweigert.

 

Ich wusste nicht was ich tun sollte und bin zur Polizei gegangen. Dort wollte ich mein Kind abgeben. Die Polizei fragte mich, ob ich mein Kind liebte. Ich sagte ja, aber dass ich mein Kind ins Waisenhaus geben und dort ab und zu besuchen wollte.

 

Die Polizei hat dann GRADEM angerufen, die mich abgeholt haben. GRADEM hat mir mit meinem Kind geholfen. Es wurde anderthalb Monate im Krankenhaus behandelt. GRADEM hat mir auch geholfen, mit meinen Eltern Kontakt aufzunehmen. Meine Mutter ist sogar nach Bamako gekommen und hat mich mit in unser Dorf genommen.

Titelbild: Demonstration minderjähriger Hausangestellter für bessere Arbeitsbedingungen in Bamako. © GRADEM

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