Ein Tag auf der Farm

Unsere Partnerorganisation CREUSET leitet in Togo ein Kinderschutzzentrum, wo Kinder in Not vorrübergehend aufgenommen werden, bis sich eine Lösung für ihre (soziale, familiäre, schulische/ berufliche) Wiedereingliederung gefunden hat.

 

Um unabhängiger von internationalen Finanzgebern zu werden und die Versorgung der Kinder (quantitativ und qualitativ) selbst sicher zu stellen, hat unser Partner seit 2016 auch eine Farm. Dort werden u.a. Mais, Yams, Soja, Mais, Bohnen, Zitrusfrüchte, Mangos, Nüsse angebaut sowie Hühner, Schafe und Kaninchen gehalten. Gemüse- und Kräuterbeete haben die Kinder im Garten des Kinderschutzzentrums angelegt.

 

Auf der Farm werden die Kinder auch in landwirtschaftliche Aktivitäten eingeführt. Und das machen sie mit großer Begeisterung! Lesen Sie selbst.

Ein Tag auf der Farm: die Bohnenernte schweißt alle zusammen

 

Samstagmorgen 5:50 Uhr. „Wir fahren zur Farm! Alle zusammen!“ ruft der kleine Tayo*. Er ist ganz aufgeregt. Sonst fahren nur einige ältere Kinder zu Farm, um Kaninchenfutter oder Feuerholz zu sammeln. Heute darf er mit!

 

„Beeilt euch! Wer seinen Frühstücksbrei nicht aufgegessen hat, kommt nicht mit.“ Die Mahnung des Erziehers ist nicht ernst gemeint, aber alle wuseln umher, um sich auch ja schnell fertig zu machen. Der Hof ist schon gefegt, die Zimmer aufgeräumt, der Brei gekocht und verteilt. Um 6 Uhr soll es losgehen. Die ersten sind fertig und sichern sich einen Platz auf dem Pickup.

Tayo ist der erste im Auto. Er will auf keinen Fall zurückbleiben.

„Wer hat das hier liegen gelassen?“ ruft der Erzieher. „Ooooh!“ – Tayo springt vom Pickup, rennt flink wie ein Wiesel, um das Vergessene in sein Zimmer zu räumen, quietscht vor Aufregung und ist drei Sekunden später schon zurück im Auto. Keiner will zurückgelassen werden.

 

Nach und nach klettern auch die anderen dazu. Einige haben kurzerhand den Brei in Flaschen gefüllt und mitgenommen. „Die Kleinen nach vorn. Los, geht nach vorn!“ Nur die großen Kinder dürfen hinten auf der Ladefläche des Pickups mitfahren. Schnell wird umgestiegen. Der Kleinste ist erst zwei Jahre alt. Er hat noch keine Sachen an. „Wir nehmen ihn mit!“ ruft die Älteste und hebt ihn hinein. „Wir ziehen ihn im Auto an, wo sind seine Sachen?“

Ankunft auf der Farm mit 25 Kindern aus dem Kinderschutzzentrum Kandyaa

„Ich muss noch meine Hose umziehen, wartet auf mich!“ ruft einer der Großen und springt wieder vom Auto. „Bis morgen!“ schallt es ihm hinterher. Aber er ist in Windeseile umgezogen und zurück.

6:20 Uhr. Abfahrt.

 

Auf der Farm angekommen, nehmen sich die Kinder große Säcke und gehen zum Bohnen-Feld. Jeder soll sich eine Reihe aussuchen und dort alle Bohnen abernten. Sie arbeiten sich wie eine riesige Raupe durch die Reihen. Sie quatschen, lachen oder stimmen ein Lied an.

Alphonse, Leiter der Farm, freut sich über die vielen helfenden Hände.

„Lasst keine Bohne hängen, hebt auch die auf, die runterfallen. Ich weiß doch, wie gern ihr Bohnen esst. Oder wer mag hier keine Bohnen?“

 

Die Frage des Landwirts Alphonse ist rhetorisch. Die Kinder lassen nie etwas auf dem Teller übrig. Das ist keine Überraschung. Sie wissen, wo ihr Essen herkommt. Sie haben es selbst gesät, geerntet und auch beim Kochen geholfen. Daher wissen sie es zu schätzen und es würde ihnen nie einfallen, zu mäkeln.

 

8:00 Uhr. Sie sollen sich beeilen, denn die Sonne wird stärker. Einige Kinder haben sich Tücher um den Kopf gebunden oder einen Hut aus Blättern gebastelt. Die Säcke füllen sich mit großen dicken Bohnen. „Wo ist David?“ Er stromert umher, erkundigt die Farm. Der Ausreißer wird wieder eingefangen und zurück zu den anderen geführt. Die Kleinsten gönnen sich eine Pause im Schatten.

11:45 Uhr. „Bringt die Säcke rein, das Essen ist da!“ Das bringt neuen Schwung. Die prall gefüllten Säcke werden auf den Kopf gehoben und ins Lager getragen. Dann sucht sich jeder einen Platz im neu gebauten Hühnerstall. Er ist noch nicht ganz fertig und unbewohnt, aber er bietet jetzt Schutz vor der Sonne. Ein Mädchen schöpft Wasser aus der Zisterne und bringt es zu den anderen, damit sich jeder die Hände waschen kann. Das Essen wird ausgeteilt.

 

Es gibt – Bohnen! Die Reste der letzten Ernte, gekocht und dann mit Maniok-Raspeln, etwas Öl und Chili und vermischt. Jeder bekommt einen großen, vollen Teller, von dem natürlich nichts übrigbleiben wird.

Einen halben Hektar haben die Kinder an diesem Tag abgeerntet.
Im Monat verzehren die Kinder 75 Kg der proteinreichen Bohnen. Damit reicht die Tagesernte für 3 ½ Monate.
Etwa 300 Kg Bohnen haben die Kinder an diesem Tag ins Lager gebracht. Später müssen die Bohnen noch aus den Hülsen geschlagen werden.

Die Kinder werden müde, ihnen fallen die Augen zu. Sie breiten Tücher oder leere Ernte-Säcke auf dem staubigen Boden aus, räumen noch ein paar Steine zur Seite und sind im Nu eingeschlafen.

 

Nur der Zweijährige kann nicht still liegen bleiben. „Ich muss mal,“ flüstert er und weckt Tayo. Der ist mit seinen fünf Jahren der Zweitjüngste, kümmert sich aber oft wie ein großer Bruder um den Kleinen. Leise klettern sie über die hohen Stufen nach draußen.

Nachmittags geht es mit neuem Elan weiter. Schon bevor Alphonse die Kinder zur Arbeit ruft, sind die meisten aufgewacht, suchen sich leere Säcke und schauen, wo sie weiter ernten können. Und es motiviert sie, dass alle mit anpacken: Alphonse und die Erntefrauen, der Chauffeur und ein Erzieher. Nun kommt sogar ihr früherer Psychologe vorbei und schließlich der Direktor CREUSETs, die sich den Kindern anschließen und ebenfalls ein paar Bohnen-Reihen vornehmen.

 

16:00 Uhr. Die Sonne steht tiefer, die Reihen werden leerer und die Säcke voller. Fast ein halber Hektar ist geschafft. Die Kinder singen und scherzen, um sich neue Kraft für die letzten Reihen zu holen. Noch eine Stunde, dann wird die Ernte ins Lager getragen.

17:15 Uhr. „Ihr habt das toll gemacht! Ihr seid unglaublich. Riesigen Dank!“ lobt Alphonse. Die Kinder klettern in und auf das Auto. Sie sind überglücklich, mit dem was sie heute geschafft haben. Die gemeinsame Feldarbeit hat sie alle zusammengeschweißt. Der Pickup rollt von der Farm und die Kinder winken Alphonse hinterher. Die Sonne steht schon flach am Horizont.

 

Aber von Müdigkeit keine Spur. „Heute Abend feiern wir!“ freuen sich die Kinder. „Wir werden gut essen und dann wild tanzen!“ Auf dem Weg durch die Stadt winken sie Freunden zu, die sie aus der Schule kennen. Als sich der Pickup dem Kinderschutzzentrum nähert, rufen sie schon von weitem, damit das Tor aufgemacht wird. Sie springen von der Ladefläche, rennen aufgeregt in den Hof und umarmen ihre Erzieherinnen, den Schneider, die Köchin. Nach dem Duschen und Essen wird die Musik aufgedreht. Die Kinder tanzen und lockern dabei auch alle Muskeln, die tagsüber bei langem Bücken und Hocken angespannt waren.

 

*Name geändert

 

Die ausgedroschenen Bohnen 2 Wochen später.
Die ausgedroschenen Bohnen werden langsam ausgeschüttet, damit die leichteren Hülsen vom Wind davon getragen werden..
Die Ernte der Saison: 600 kg Bohnen.
Die Bohnen ohne Hülsen.

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