Um den Erfolg eines Projekts sicher zu stellen, begleiten wir unsere afrikanischen Partner sehr intensiv bei der Planung und Umsetzung. Ein
kontinuierlicher Austausch per Telefon, E-Mail oder Video-Konferenz sowie persönliche Besuche in den Projekten ermöglichen es, die Partner bei ihren Aufgaben fachlich, menschlich und finanziell zu
unterstützen. Wie die inhaltliche und strategische Projektbegleitung vor Ort aussieht, berichten Andreas Böning und Elisabeth Munsch im Interview.
Andreas Böning, Diplom-Kaufmann, ist seit 2010 Verwaltungs- und Finanzverantwortlicher sowie seit 2014 Geschäftsführer von Kinderrechte Afrika e. V.
Mehrmals im Jahr ist er bei Partnern vor Ort und berät sie hinsichtlich der Finanzverwaltung unserer Projekte. Von seinem Besuch in Mali Anfang 2026 spricht er im Interview.
Herr Böning, Sie gerade aus Mali zurückgekehrt, wie sieht denn ein typischer Tagesplan einer eines Besuchs beim Projektpartner aus?
Durch die aktuelle Sicherheitslage in Mali hielt ich mich nur in Bamako bei unserem Partner GRADEM auf. Der Fokus meines Aufenthalts lag auf der Finanzverwaltung und projektbezogenen Themen wie Sicherheit, Zusammenarbeit mit dem Staat sowie zukünftigen Vorhaben. Zudem trafen wir die deutsche Botschaft und die EU-Delegation sowie neue potenzielle Projektpartner.
Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der direkten gemeinsamen Projektarbeit mit den Partnern vor Ort?
Die direkte Zusammenarbeit vor Ort ist durch nichts zu ersetzen. Eine Partnerschaft lebt und profitiert von persönlichen Besuchen. Durch den direkten Austausch bekommt man ein viel besseres Gespür für den tatsächlichen Projektablauf und die lokalen Herausforderungen. Erst vor Ort erhält man ein echtes Gefühl für die politische und wirtschaftliche Situation im Land, das lässt sich online nicht vermitteln.
Gab es neue Erkenntnisse – positiv wie negativ?
Es ist toll zu sehen, welche Wirkung die Projektarbeit auslöst. Die Eigeninitiative und Motivation von jungen Menschen zu sehen und als Ergebnis eine proaktive Projektgestaltung zu erreichen.
Negative Überraschungen innerhalb der Projektarbeit gab es nicht, aber die nationalen Herausforderungen prägen das Land natürlich.
Wie schätzen Sie die Nachhaltigkeit der erreichten Ergebnisse ein?
Unsere Projektarbeit zielt stets auf Nachhaltigkeit ab. Unser Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die langfristig bestehen bleiben.
Wenn Kinder und Jugendliche ihre Rechte und Pflichten kennen, ihre Rolle erkennen und selbst aktiv werden, ist das ein toller Erfolg. Auch sind die durch unsere Projektarbeit aufgebauten Kinderschutzeinrichtungen ein tolles Beispiel, wie gezielt lokale Kapazitäten gestärkt und nun eigenständig weitergeführt werden.
Wie geht der Partner mit unvorhergesehenen Krisen innerhalb der Projektarbeit um?
Unsere Partner vor Ort haben Einblick in die lokalen Gegebenheiten und verfügen über jahrelange Erfahrung, um zu entscheiden, was in der Projektumsetzung möglich ist und was nicht. Die lokalen Organisationen kennen Strategien, um Risiken zu minimieren und ihre Arbeit anzupassen.
Das Interview führte Hanna Vollmer,
Studentin der Gesundheitspädagogik.
Elisabeth Munsch reiste als Projektverantwortliche in 22 Jahren ca. 110 Mal zu den Partnern und Zielgruppen in die Projekte. Fast 2.500 Tage arbeitete sie mit den Teams vor Ort. Seit 2021 ist sie nun im Vorstand von Kinderrechte Afrika e. V.
2016 sprach sie im Interview über die Projektbegleitung.
Frau Munsch, welche Aufgaben erfüllen Sie bei Kinderrechte Afrika? Und was genau ist Projektbegleitung?
Ich begleite die Partner bei der Planung und der praktischen Umsetzung unserer Projekte. Kinderrechte Afrika und die lokalen Partner ziehen am gleichen Strang: Wir engagieren uns für dieselbe Sache,
aber mit jeweils eigenen Rollen. Die Projektbegleitung ist dabei ein Moment des gemeinsamen Innehaltens, wo wir uns über die Durchführung der Aktivitäten
austauschen und zusammen nach Lösungen für aufgetretene Schwierigkeiten suchen.
Wie oft können Sie im Laufe eines Projekts den Partner besuchen?
Meiner Meinung nach wären zwei Besuche pro Jahr am besten. Das ermöglicht es, mit dem Projektteam und den Entwicklungen vor Ort Schritt zu halten. Die finanziellen Mittel erlauben das aber
nicht immer.
Wann im Projektverlauf ist ein Besuch beim Partner notwendig?
Ich bringe mich in drei wichtigen Phasen besonders ein:
Welchen Zugewinn bringt Ihre direkte Arbeit mit den Partnern?
Beide Seiten, Kinderrechte Afrika und die Partner, profitieren davon. Wir
sind über die Entwicklungen auf dem gleichen Stand und verstehen die
Anforderungen und Schwierigkeiten, mit denen der andere konfrontiert
ist, besser. Mit meinen Erfahrungen, die ich in den verschiedenen Ländern
gemacht habe, kann ich neue Ideen einbringen. Dadurch können sich
neue Wege eröffnen. Kinderrechte Afrika wiederum ist in der Lage, die
Projektregion mit seinen Besonderheiten, Herausforderungen und
Hindernissen besser zu kennen.
Was gefällt Ihnen an der Projektbegleitung?
Alles gefällt mir. Es ist eine faszinierende Arbeit, auch wenn die
klimatischen Bedingungen manchmal schwierig sind und die Zeit für eine
Begleitungsreise sehr eingeschränkt ist. Ich mag es, mir Veränderungen
vorzustellen und dann einen Weg zu finden, wie diese verwirklicht werden
können. Es ist eine konkrete Arbeit mit bereichernden Momenten des
Austauschs, der Gegenüberstellung von Ideen und der gemeinsamen
Lösungssuche. Sie ermöglicht schöne Begegnungen, sowohl mit den
Teams der Partner, als auch mit Dorfbevölkerungen, lokalen Ansprechpersonen, Kinderschutzkomitees, Elternvereinigungen oder den Kindern selbst. Diese Treffen sind immer sehr lehrreich und zeigen mir,
was den Alltag dieser Menschen ausmacht. Man relativiert dann und erhält
manchmal wichtige Lektionen fürs Leben.
Wie beurteilen die Partner diese Projektbegleitung?
Ich glaube, ich kann sagen, dass die Partner diese Zusammenarbeit sehr
schätzen. Ich sehe mich nicht als Kontrolleurin oder Richterin, sondern
als Mitglied des Projektteams, das zwar eine andere Rolle einnimmt, aber
ebenfalls sein Bestes geben muss, um einen gemeinsamen Erfolg zu erzielen.
Dadurch haben wir einen sehr konstruktiven Austausch, bei dem wir unsere Ansichten diskutieren. Da ich 15 Jahre als Sozialarbeiterin an der Basis gearbeitet und 5 Jahre in Afrika gelebt habe, kenne
ich die Arbeit vor Ort. Dank dieser Erfahrung fühle ich mich bei der Projektbegleitung wohl und bin
auch glaubwürdig.
Wie werden Ihre Besuche von den Kindern aufgenommen?
Ich arbeite zwar nicht direkt mit den Kindern, aber es gibt Momente des Austauschs mit Einzelnen oder in der Gruppe. Manchmal ist die Sprache ein Hindernis, aber wenn dem nicht so ist, überrascht
mich immer, wie sie die richtigen Worte finden, um auszudrücken, was sie erlebt haben, oder um die
Erwachsenen daran zu erinnern, welches Leid sie erfahren, dass sie geliebt werden wollen, leben und sich entwickeln möchten.
Das Gespräch führte Marion Terle, Studentin der Politik- und Rechtswissenschaft in Nancy. Hier finden Sie das Interview in der französischen Originalfassung.
Titelbild: Elisabeth Munsch im Austausch mit den Kindern beim Partner CREUSET. © CREUSET.